fairlie – lake tekapo

um fuenf aufzustehen ist zwar nicht ganz einfach, aber lohnt sich. denn als ich das zelt oeffne, sehe ich hinter dem wald die sonne aufgehen. als ich um kurz nach sechs – ohne fruehstueck – meine wasserflaschen in der kueche fuelle, steht das velo mit anhaenger des franzosen auch schon bereit. ich fahre los und es ist schoen, so ohne verkehr. komisch nur, dass ich auf dem flachen kaum vorwaerts zu kommen scheine. ich halte wieder nach diesem komischen, kaum sichtbaren wind ausschau. nichts. dann schalte ich vom kilometer- auf den hoehenmeterzaehler um und merke, es geht hoch. ganz wenig nur, aber das erklaert, warum es nicht wie eben fahren ist. links ein weizenfeld, darin ein grosses plakat: your bread starts here. ein hase springt auf einem feldweg davon. ich fahre lange geradeaus, weiden, felder, baeume. dann geht es rechts zu einem skigebiet, ich lese auf einem schild: dobson ski area for sale. falls also jemand interesse hat. nach 22 km endlich im burkes pass dorf – alles zu. und ich habe mich so auf einen kaffee und etwas zu essen vor dem aufstieg gefreut. naja, drehe eine traurige runde auf dem kies, esse dann zwei farmer und weiter. der lonely planet hat schon gesagt, der aufstieg auf den burkes pass sei nicht schlimm und daure nicht lange. trotzdem nervt mich der aufkommende gegenwind. noch ist es allerdings praktisch flach und ich tittere im kleinsten gang dem aufstieg entgegen. dann sehe ich: 1 km aufstieg.

aufstieg zum burkes pass

aufstieg zum burkes pass

es ist wirklich schnell vorbei und langsam kommt mehr verkehr auf. oben versuche ich ein selbstaufloeserbild, aber weil der wind so stark ist, klappt es nicht ganz. ich zippe meine aermel wieder an, muetze rauf und dann hinten runter. so wirklich runter geht es erstmal nicht, sondern nur wenig, links und rechts graugruene huegelflanken. es ist sehr schoen hier oben. stunning, wie der lonely planet sagt, finde ich uebertrieben. aber wir haben 20 grad, starker wind und eher truebes wetter. dann geht es durch eine weite ebene. die baumgrenze ist quasi schon erreicht auf knapp 700 metern. rechts maeht ein landwirt gras. es staeubt. er winkt mir zu.

passfoto

passfoto

zwei faedchen von meiner christmas dekoration sind am frontgepaecktraeger haengen geblieben. sie flattern wie stander auf einem segelschiff. sie zeigen deutlich, dass ich gegenwind habe. ich radle quasi hart am wind, aber raumwind waere mir lieber. oder flaute. schliesslich komme ich – im unterschied zum segelschiff -, auch bei flaute vorwaerts. jetzt geht es endlich etwas runter. am wegrand waechst natternkopf. zwei kaninchen hoppeln entlang der strasse, ein dairy truck kommt mir entgegen und ich bange um das leben der hoppler. jetzt keinen falschen haken. aber sie machen linksum kehrt und verschwinden im hohen gras. wieder ein totes kaenguru. es liegt im gras neben der strasse, schon laenger tot. der wind wird staerker. der franzose hat sein velo am zaun abgestellt und stolpert mit der kamera im gruenstreifen herum. ich winke ihm, erhaelt den daumen rauf und ich fahre weiter.

langsam ist es nicht mehr lustig. ich habe die regenjacke montiert, es zieht stark. wenn ich im rueckspiegel die autos heranrasen sehe, konzentriere ich mich ganz stark auf den weissen strich. bis mich der wind von der strasse weht. ich stolpere vom velo und muss stark dagegen lehnen, dass es nicht umkippt. wir haben seitenwind vom struebsten. ich versuche, wieder zu fahren, da gerade keine autos in sicht sind. anfahren ist ungefaehr wie am hang. am schlimmsten sind die autos mit anhaenger, und wenn mehrere solche hintereinander kommen. wenn sie vorbei sind, werde ich vom unterdruck in richtung strasse gesogen und das ist gefaehrlich. mit der zeit wird es mir zu muehsam, es hat zu viel verkehr und der wind ist wirklich stark. ich schiebe das velo. meine geschwindigkeit faellt rapide ab. es sind noch 10 km nach lake tekapo.

ich schiebe das velo, was viel kraft braucht, weil der wind immer wieder dagegen drueckt. wenn er nachlaesst, faellt es mir dagegen fast auf die strasse. der wind zerrt an meiner jacke, meinem velo, sogar an meinen augen. ich habe das gefuehl, die linsen werden mir weggeblasen, wenn der winkel stimmt. trotz allem kann ich mich umsehen. die strasse geht pfeifengerade ueber eine ebene, oedland wuerde man sagen. zwar hohes gras, das vom wind fast auf den boden gelegt wird. aber es wirkt grau und wenig saftig. dazwischen leere flecken. rechts bleibt es eine weile flach, dann geht es auf den huegel hinauf. es sind huegel wie in island: wie aufgeschuettet, kaum bewachsen, steile, ebenmaessige flanken. links habe ich vor allem weite. und weit weit vorne sind die alpen zu sehen. dunkle berge mit teilweise beschneiten haengen.

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und am strassenrand hat es lupinen. an der passhoehe hat es damit angefangen. sie bluehen in den verschiedensten farben, vor allem rosa-, blau- und violett-toene, aber auch mal rot und sogar zweifarbig: blau-weiss, rot-weiss, rot-gelb. sie sind schoen, ja. aber. lupinen sind bei mir nach den goldruten hassobjekt nummer zwei, was invasive neophyten anbelangt. sie bluehen wunderschoen, die vielen farben, aber das sind was, drei wochen im jahr? und sie werden sich massiv ausbreiten, haben ein grosses versamungspotenzial und sind regelrechte pionierpflanzen. das hat mich ja dieses jahr in island so schockiert. dort haben sie lupinen ausgesaet gegen die erosion, was auch recht gut funktioniert hat, nur haette es auch einheimische pflanzen mit der gleichen kompetenz gegeben. als ich vor sechs jahren in island war, waren schon die wegraender voll damit, stellenweise auch im inland, zum beispiel bei den gaerten der sommerhaeuser, aber vor allem die grossen wuesten des suedlandes. und jetzt, 2014? faehrt man im suedland durch hunderte hektaren reine lupinenkulturen. es ist zum schreien. es ist haesslich und es ist eine monokultur. in einigen jahren wird man alles tun, um sie zu bekaempfen.

lupinen, schoen aber boese

lupinen, schoen aber boese

sieben kilometer vor lake tekapo gibt es einen rastplatz, mit tisch. und dort gibt es sogar ein gebuesch, zu dem man kommt! der franzose haelt auch an. wir muessen lachen ab dem wind, it`s hard, sagt er mit franzoesischem akzent. danach geht es weiter, fuer die sieben kilometer brauche ich eine stunde zwanzig minuten. immer wieder schieben, dann fahren, von der strasse geblasen werden, schieben, wieder fahren. ich fahre nur noch, wenn kein verkehr ist. zwischen dem weissen streifen und dem gras sind naemlich nur noch ca. 30 zentimeter, das schaffe ich kaum einzuhalten, mit dem schweren lenker. dann kommen links und rechts schilder fuer ausfluege in lake tekapo, fuer helikopterfluege und massagen in den tekapo springs. es muss doch bald kommen, denke ich. das letzte stueck geht fast wie durch eine hohle gasse, nicht so tief, aber immerhin kann ich in lake tekapo einrollen. ploetzlich spuere ich tropfen und denke, nein, jetzt kein regen. aber es ist nur die abdrift eines rasensprenklers. und da ist er, der lake! intensiv dunkel-tuerkis liegt er hinter den baeumen. man haette diese farbe nicht erwartet, bei diesem grauen wetter. kein mensch ist auf dem wasser, dabei ist das doch ein wassersportparadis und alle leute sind mit ihren booten hergefahren. aber die schaumkronen und die hohen wellen lassen irgendwie auf eine windstaerke von 7 bis 8 bft schliessen.

lake tekapo

lake tekapo

ich steige ab und schaue fasziniert den wellen zu. ich habe das gefuehl, am meer zu sein. dann durchs dorf rollen, aber ich muss wieder absteigen. die leute laufen wirr, lehnen sich gegen den wind, allzu kurze roecke flattern. ein hund bellt in den wind. ich schiebe das velo durchs dorf – eine zeile von japanischen und chinesischen restaurants, imbissbuden, souvenierlaeden und einem supermarkt. frage am infodesk nach dem camping. kann dann wieder fahren, weil es ueber eine strasse zwischen hauptstrasse und see geht, die durch einen kleinen baumbestand fuehrt. auf dem camping wird mir mitgeteilt, ich koenne am seeufer zelten, aber erst ab zwei. davor gelte es naemlich als wild zelten. also velo abstellen, wichtigste sachen nehmen und rauf in die stadt. ich hab so hunger. bestelle mir in einem coffeeshop einen burger (superfein mit gutem brot, viel kaese und einer scheibe gekochten randens) und ein ginger beer. ich bin ziemlich warm eingepackt, keine lust auf wind chill. die leute fuehren sich immer noch auf, als sei es ein netter sommertag. aber mehrere schauderts. ich schaue mir die leute an und einige sind echt komisch gekleidet. ich glaube, die leute, die den ganzen tag autofahren, ziehen sich gar nicht richtig an am morgen. jedenfalls die jungen leute. da sieht man sachen von finken und schlabbrigen trainerhosen bis zu etwas, das wirklich aussieht wie ein pyjama. und das nicht nur von leuten, die aus alten vw-bussen steigen. nein, auch aus protzigen offroadkarren steigen solche wesen. wobei, leute wie ich, die nur zwei garnituren kleider dabeihaben, sollten vielleicht nicht zuviel ueber die kleidung anderer leute laestern.

nach dem essen faellt mir ein, dass das wahrzeichen von lake tekapo ja diese kirche ist, die church of the good shephard. ich kaempfe mich durch den wind, ueber die kleine bruecke und nach vorne zu der kirche. ploetzlich muss ich stehenbleiben. das ist es ja! eines der bilder, die ich von anfang der planung der veloreise nach neuseeland vor augen hatte. das bild der kleinen kirche und die strasse, die davor eine kurve macht. auf dem bild habe ich mir den strassenbelag angeschaut und gedacht, ja, das laesst sich doch gut fahren. so kommt alles wieder zusammen.

church of the good shephard, lake tekapo

church of the good shephard, lake tekapo

ich gehe in die kirche hinein, setze mich und denke an einige leute. die kirche hat vorne beim altar drei fenster, ein grosses und links und rechts davon ein kleines. wunderschoene aussicht auf den see, den himmel und die berge. der wind ist nur noch zu hoeren. er zerrt an den steinen, er zerrt am ganzen gebaeude. danach gehe ich runter ans wasser, die wellen sind ungefaehr einen meter hoch und brechen wie am meer.

church of the good shephard, lake tekapo

church of the good shephard, lake tekapo

mittlerweile ist es zwei geworden und ich gehe zurueck zum camping. checke ein und darf mein zelt aufstellen. einige andere ueben schon. es windet schliesslich immer noch sehr stark. ich mache schon mal einen baendel an meiner schwersten velotasche fest – keine lust, dass mir das zelt um die ohren fliegt. ich habe den ganzen weg vom zentrum zum camping ueberlegt, wie ich das zelt am besten aufstelle. ich mache es jetzt genauso und es kommt nicht schlecht. jedenfalls nicht wie alle anderen den ausgang zum see, wo der wind herkommt. und die schmale seite nach vorn. trotzdem ist es alleine nicht ganz einfach. der wind ruettelt und zerrt an dem zelt herum, die schlaufen bewegen sich, springen von den haeringen, ich renne ums zelt herum, alles wieder einschlagen. die haeringe gehen sogar erstaunlich gut in den boden, das haette ich nicht gedacht. der boden ist so eine mischung aus kies und waldboden und gras. ich lasse mich vom wind nicht beirren und schaffe es schliesslich. unter idealen bedingungen steht das zelt ja mit vier haeringen. unter diesen sturmbedingungen koennten es noch einige haeringe mehr sein, als ich mitgenommen habe. aber der wind flaut schliesslich tatsaechlich ab, es regnet kurz und ich traue mich dann sogar, nachdem ich eingerichtet habe, das zelt fuer bloggen und duschen aus den augen zu lassen. das war ein tag heute!

so sieht der verkehr aus, danach ist es wieder einige minuten ruhig

so sieht der verkehr aus, danach ist es wieder einige minuten ruhig

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