lake tekapo – twizel

was für eine nacht! der wind riss an den zeltschnüren, zerrte am tuch, drückte die flanken rein, hudelte das ganze hin und her und zwar nicht nur bei meinem zelt, sondern bei ungefähr zwanzig anderen auch beim lakeside camping am lake tekapo. ich schlief schlecht. neben dem lärm machte ich mir sorgen, ob es halten würde. in die lange erfahrung, die in einem hilleberg zelt steckt, hatte ich durchaus vertrauen. etwas weniger aber in die menschliche komponente beim aufbauen. ich drehte mich im schlafsack hin und her, wälzte physik und dachte an windrichtungen und widerstandsflächen. einmal hetzte ich sogar aus dem schlaf auf und raus, weil ich dachte, ein häring habe versagt. aber nichts, alles gut vertäut. aber es war nicht ohne. das wohl preiswerte zelt von zwei jungen tramperinnen hielt nicht: eine stange brach und steckte in der zeltwand.
jedenfalls war tagwacht um fünf kein thema mehr. ich schlief bis um sieben und baute mein zelt bei einem lauen lüftchen und herrlicher seesicht ab.

was für ein tag! diese etappe war mit abstand das schönste, was ich bisher von nz gesehen habe. nach kaffee im dorf ging es auf der hauptstrasse in richtung twizel. mässig verkehr. biege nach sechs kilometern in die braemer road ab. ich glaube mich zu erinnern, dass einige tourenfahrerlnnen, deren blogs ich zur vorbereitung gelesen habe, diesen weg wählten. herrlich! nach 30m wechselt es auf schotter, ist aber gut zu fahren. links und rechts ist militärische übungszone. es könne jederzeit zu explosionen kommen und geschossen werden, sagt ein schild, man solle die zäune nicht übersteigen. ich fahre über eine hochebene. wenige bäume, gras in brauntönen, klare sicht bis zu den schneebedeckten bergen.

ueber die braemer road

ueber die braemer road

die neuseeländische alpenkette. darunter grauer fels, dann geröllfelder, weiter unten samtig braun-grün bewachsene hügel. wunderschön! auf und ab. auf einer art passhöhe treffe ich auf fünf fahrzeuge, die am strassenrand geparkt sind. die leute stehen daneben und bewundern die aussicht. ich frage einen der männer, ob er mich fotografiert. er zeigt mir den mount cook/aoraki mit seinen beiden schneebedeckten peaks. der höchste berg in nz. davor fotografiert er mich. sie seien teil eines landrover clubs, erzählt er. ursprünglich aus nordengland, sei er vor 33 jahren für sechs monate nach nz gekommen und hiergeblieben. seinen 30-jährigen landrover habe er von landwirten der mount cook station gekauft.

ich und der mount cook/aoraki

ich und der mount cook/aoraki

ich fahre weiter und es geht vor allem abwärts. ich mag ja keinen schotter abwärts und schon gar keine kurven. aber weit vorne sehe ich den lake pukaki, türkis unter weissen gipfeln und beträchtlich weiter unten als ich zur zeit bin. und so lerne ich hier und jetzt, ganz alleine, schotter runterfahren. ich weiss eigentlich nur theoretisch, wie das geht und das gepäck muss auch einbezogen werden. aber da kaum verkehr ist, den man ausserdem schon von weitem an der staubwolke erkennt, kann ich ungehindert jede kurve in der aussenspur nehmen oder auch mitten auf der strasse fahren. aber es ist anstrengend und ich schwitze fast mehr vom der konzentration als vom wetter. es geht nämlich ein leichter wind und der velopc sagt 25 grad. die unterarme und hände sind vom bremsen verspannt, der rest des körpers von der konzentration. rutscht mir ein- oder zweimal das rad im schotter ab, bricht mir der schweiss aus.

der lake pukaki ist in sicht

der lake pukaki ist in sicht

je weiter ich runterkomme, desto grüner und landwirtschaftlicher wird es. getreide, gras wird gemäht. dann bin ich am lake pukaki. wieder diese unglaubliche farbe. dahinter hügel und alpen, der aoraki ganz ohne wolken. ich fahre auf der schotterstrasse dem see entlang. der schotter ist wieder mühsamer und ich habe immerhin schon 20 km schotter hinter mir. zum essen lege ich mich in einen kiefernhain  mit blick auf den see und den mount cook. bei jedem schritt knirschen die halb im gras eingewachsenen zapfen unter meinen füssen.

dieser schotter ist okay

dieser schotter ist okay

gravel gravel gravel. laut karte nochmal 20 km. es reicht langsam. ich kriege wieder wenig von der landschaft mit, weil ich mich so auf die strasse konzentrieren muss. ein älteres paar auf mountainbikes holt zu mir auf. während sie voraus fährt, bleibt er einige kilometer auf meiner höhe und plaudert mit mir. endlich ist das kraftwerk in sicht und  damit das ende der gravel road. es geht zügig vorwärts. den aoraki im rückspiegel auf einer grösseren strasse dem see entlang. durch die kiefern scheint der see durch. als ich plötzlich über einen staudamm fahre, wird mir klar, dass der lake pukaki ein stausee ist. nach dem damm gibt es ein besucherzentrum. sie verkaufen dort lacha vom mount cook. in sashimiqualität (zum roh essen). bei der kasse gibts essstäbchen, briefchen mit wasabi und die üblichen plastikfischchen gefüllt mit sojasauce. die japanischen touristen kaufen ein. ich kaufe eine limonade und schaue mir noch einmal alles an: den see, die teilweise verschneite alpenkette, den mount cook, die hügel, die kiefernwälder und das schöne wetter. so etwas schönes!

der letzte blick auf die berge, bevor es in die huegelzone geht...

der letzte blick auf die berge, bevor es in die huegelzone geht…

lake pukaki mit mount cook/aoraki

lake pukaki mit mount cook/aoraki

danach ist der grandiose tag nicht etwa schon vorbei. ich komme nämlich auf die idee, dem kanal entlang nach twizel zu fahren. ich frage einen fischer, der mir den weg erklärt. milchigblau fliesst das wasser im kanal durch eine ebene, in der braune und gelbliche töne vorherrschen. die faltigen hügel rund um die ebene sehen aus wie mit plüsch bezogen. und die nackten felsen wirken wie abgeschabte plüschbezüge.

am pukaki-ohau kanal

am pukaki-ohau kanal

so geht es zehn kilometer. an einer kreuzung biege ich links ab, genau wie der fischer gesagt hat. und komme durch die hintertür nach twizel rein. villen und regelrechte anwesen von baumeistern mit zweifelhaftem sinn für ästhetik oder jedenfalls für in die landschaft passende baustile. und endlich endlich der camping.
sorry we’re full. no vacancy. steht am tor. ich missachte das schild und gehe charmant auf die frau an der rezeption zu. sie müsse ihren mann fragen, aber sie hätten eben das schild rausgehängt. ich betone „just a tent“, nur ein zelt. no problem, sagt der mann und ich bedanke mich mehrmals. wenig später gesellt sich noch ein zweiter zeltler dazu: ein japaner, der um die welt rennt. er ist heute auch vom lake tekapo gekommen, auf anderem weg. 60 km ist er heute gerannt. fast anderthalb marathons. irgendwie verrückt. aber tourenfahren war auch mal verrückt. und ist heute ziemlich normal. ach ja, 16’000 km hat er schon in den beinen.

 

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