waikouaiti – dunedin

dunedin muss man sich verdienen, soviel steht fest. allerdings war es nicht so schlimm, wie ich es mir nach der lektüre des lonely planet vorgestellt hatte. doch von vorne.
punkt halb neun losgerollt und gleich vom sh1 (state highway) weg durch eine watlandschaft. schiffsstege stehen im trockenen, versickerndes wasser gluckert in der stille, unzählige schneckenhäuser warten auf die flut, der himmel spiegelt sich in wasserlachen. vögel mit langen beinen, langen hälsen und langen schnäbeln staken und stochern, kleine krebse huschen seitwärts davon. vögel pfeifen, weit weg rauschen meer (links) und verkehr (rechts). jachten hat man so vertäut, dass eine handbreit wasser unter dem kiel gewährleistet werden kann.

watland zwischen waikouaiti und karistane

watland zwischen waikouaiti und karistane

zwischen waikouaiti und seacliff

zwischen waikouaiti und seacliff

es geht rauf und runter und meine beine sind so müde! immer wieder anhalten und teilweise stossen. ich folge der coast road über seacliff. ausserdem habe ich hunger. bin wieder einmal ohne frühstück losgefahren, weil ich auf nichts lust hatte. am ehesten noch auf was deftiges, aber ich hatte gestern vergessen einzukaufen. ich finde auch kein offenes cafe. in karitane ist es zu und die nachfolgenden dörfer liegen zu weit unterhalb der strasse. runterfahren und nix finden oder runterfahren und dann hats zu und wieder rauffahren? nee. ein plakat am wegrand kündigt markt in waitati an, das sind 28 km. esse einen farmer. besteht halb aus haferflocken, so richtig englisch.
für fünf kilometer gehts auf den sh1, dort liegt ein roter papagei. rote, blaue und schwarzweiss gefleckte federn. dann bin ich in waitati. kaufe gemüse ein und mangels brot halt ginger güetzi.
der markt ist von der marke „man kann alles verkaufen“, ich kaufe kaffee und schlendere den ständen entlang. alteisen, selbstgestricktes (der nächste winter kommt bald), gemüse, ein paar essstände, die waren werden an wackligen tischchen, auf decken am boden oder gleich im offenen kofferraum präsentiert. kinder, hunde. hinter ein paar büschen weitere stände, ein mann spielt am synthesizer jazz und klassik. mit den 20 ständen scheint es eher ein regionaler treff zu sein als wirklich ein markt. vor dem aufstieg auf den mount cargill esse ich noch ein bacon butty, zwischen zwei toastbrotscheiben geklemmte gebratene speckstücke, freie saucenwahl.

dann eben dieser aufstieg. im lonely planet cycling new zealand wird der als „hard climb“ und 6,8 km angegeben. ich denke an die steigungen gestern und wie übel die waren. und das 6,8 km!? ich bereite mich auf 2 stunden velo schieben vor. dass es bei dieser länge gar nicht so steil sein kann, es geht ja nur auf ein paar hundert meter, fällt mir in dem moment nicht ein. klassisches hope for the best, prepare for the worst.

jedenfalls folgt eine 7 km lange steigung. sie ist moderat, ja es geht immer hoch und ja ich fahre fast nonstop im kleinsten gang, aber ich kann alles fahren. rund um mich ist wildnis. das dickicht scheint undurchdringlich und ich frage mich, ob die ersten menschen in nz sowas vorgefunden haben. da hätte ich versucht, anderswo zu landen. aber wenn man sich nicht durchkämpfen muss, ist es schön. so viele verschiedene grün! irgendwie kommen mir henri rousseaus urwaldbilder in den sinn. grün in allen farbschattierungen, glänzende und matte, dazu stängel in grün und grau und braun, holzig und angerissen oder glatt, dazu all die blattformen und stacheln, eukalyptusduft in der luft. im gebüsch knistert und raschelt es. asphaltblasen zerplatzen auf der strasse, velos kommen entgegen, schon 238 m.

IMG_0557

eine frau und ein teenager überholen mich auf velos und sagen, der pass sei nicht mehr weit. und dann, plötzlich, ist er da. ein gekiester parkplatz und sonst nix. keine plakette mit der höhenangabe! dabei sieht man doch dabei als velofahrerin die geleistete arbeit in einer zahl. ganz besonders, wenn man auf meereshöhe gestartet ist. henu, der velopc sagt 419 m. ich frage mich, als was der lonely planet die route von gestern klassifiziert hat. da fällt mir ein, dass er velofahrende gar nicht dort durchschickt!
runter gehts steiler und ich bremse mir die felgen warm. bald taucht links port chalmers und die otago peninsula auf. und rechts dunedin!

port chalmers und otago peninsula

port chalmers und otago peninsula

dunedin

dunedin

nach mehr als zehn tagen wieder einmal velostreifen und ampeln! per zufall komme ich an der baldwin street vorbei, die steilste strasse der welt. sieht aus wie eine abschussrampe. an ihrer steilsten stelle soll es pro 2m68 waagrecht einen meter hochgehen. das sind offenbar 35%.

baldwin street

baldwin street

ich fahre an ein camping schild heran und checke ein. nach dem duschen setze ich mich mit einem tee und einer handvoll prospekte in den aufenthaltsraum (muss meine aufladenden geräte überwachen). vermutlich bleibe ich drei nächte hier. morgen stadt anschauen und diverses erledigen. und übermorgen auf die peninsula raus zum albatrosse anschauen. kennt ihr latte igel? seither wollte ich schon immer einen albatross sehen.
ich will mir übrigens vornehmen, mir jeweils den startort am morgen zu merken. ab und zu fragen die leute am wegrand nämlich danach. und in meinem kopf verschwimmen die tage. ich bin unterwegs, mit zwischenstopps über nacht, jeder tag ist teil von etwas grösserem. da scheint es kleinlich, nach etappenorten zu fragen. dazu kommt, dass ich mir waikouaiti einfach nicht merken kann.

abends – ich sitze gerade im aufenthalsraum und passe auf meine sich ladenden elektrogeraete auf – faehrt das deutsch-schweizerische paar auf den camping. andreas, der schweizer, kommt auf mich zu, gruesst und fragt mich, ob ich mit ihnen essen moege. es gaebe lamm und bratkartoffeln und salat. sehr gerne nehme ich an. es wird ein angenehmer abend. andreas ist acht monate im jahr mit dem velo unterwegs und immer wieder in neuseeland. die restlichen vier monate passt er auf sein haus in der schweiz auf. er hat eine tolle kuechenausruestung. monika, die deutsche, ist aerztin in deutschland und begleitet andreas fuer drei monate hier in neuseeland. andreas lacht, als ich ihm erzaehle, wie ich abseits des sh1 auf der horse range road und spaeter auf der bushy hill road gefahren bin. solche wege koenne er mir noch mehr empfehlen, sagt er. ich lehne dankend ab und sage, dass ich doch auf angenehmere steigungen hoffe.

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