point kaka – papatowai

zum frühstück setze ich mich in der küche zu christoph, so heisst der tourenfahrer aus der nähe von ulm nämlich.wir unterhalten uns über dieses und jenes, aber auch übers alleinsein beim velofahren. ich bin ganz vergnügt bei dem gespräch und lache viel. mit ihm führe ich eigentlich das erste richtige gespräch, seit ich in neuseeland bin. viele gespräche sind sehr fach- und tourbezogen. jedenfalls bleiben wir am küchentisch hängen und es wird ein später start. ich fahre bald einmal los.

zuerst geht es über einen hügel, dann durch ein tal, es ist mit dichtem busch bewaldet. schafweiden. es ist heiss. der lake caitlin hat wegen ebbe wenig wasser. ich will noch etwas weiterfahren vor dem mittagessen, aber dann gehts plötzlich hoch. keinen schatten mehr. also etwas nüsse und dörrfrüchte einwerfen und los.
als ich oben ankomme, schleift etwas komisch am rad. ich habe einen platten! ich schiebe das rad in den schatten, erstmal essen. zehn minuten später fährt christoph heran und lässt sich auch zum mittagessen nieder. ein heli fliegt immer wieder über uns. er hat eine sprühvorrichtung und appliziert etwas auf einem steilen ackerstück. es muss fast pflanzenschutz sein, aber die abdrift ist deutlich zu sehen und ich frage mich, wieviel davon auf der zielfläche ankommt.
wir plaudern und ich flicke meinen reifen. danach fahren wir gemeinsam weiter. es ist angenehm, etwas zu plaudern, nicht immer stumm und alleine zu leiden.

in papatowai schlage ich vor, dass wir einen kaffee nehmen. christoph will ja noch weiter, während ich mein zelt auf dem doc-camping in papatowai aufschlagen werde. fürs kaffee gehen wir ins „the lost gipsy“. als wir den speziellen ort betreten, stellt sich die frage, schauen wir uns zuerst um oder trinken wir erst kaffee. christoph merkt dann auch, dass er heute wohl nicht mehr weiterkommt.
es gibt eine galerie und einen garten. eigentlich ist die ganze anlage voller ramsch, fundstücke vom strand und altmetall. spezialität des inhabenden künstlers scheinen kleine maschinchen zu sein, die man durch drehen an einer kurbel bewegen kann. herrliche dinge gibts da! überall kann man drehen oder drücken und dann bewegt sich oder tönt etwas. das beginnt schon beim eingang. auf einem schild steht „there are many temptations in life, the button below is one of them“. (im leben gibt es viele versuchungen, der knopf unten ist eine davon). beherzt drücke ich auf den knopf und mir spritzt prompt wasser ins gesicht. im garten schliesslich gibt es einen knopf, der einen busch zum vibrieren bringt.

the lost gypsy

the lost gypsy

the lost gypsy, werkstatt und nachschubmaterialien

the lost gypsy, werkstatt und nachschubmaterialien

lost gypsy: tee for two

lost gypsy: tee for two

the lost gypsy

the lost gypsy

das klavier, lost gypsy

das klavier, lost gypsy

eingangsstufen zur galerie beim lost gypsy

eingangsstufen zur galerie beim lost gypsy

aber das schönste ist der pavillon mit einem klavier. rundherum sind unzählige dinge installiert. bei jeder taste, die man drückt, erklingt etwas anderes. ein gebiss klappert, ein discosong, ein schaufensterpuppenkopf mit glöckchen in den haaren schüttelt sich, ein rasierapparat oder eine elektrische zahnbürste surren usw. es gibt so viel zu schauen!

das klavier, lost gypsy

das klavier, lost gypsy

es ist doch genauso. man sammelt dinge und weiss nicht so recht, was damit anfangen. und hier hat jemand solche dinge zu unterhaltsamen maschinen zusammengebaut. es ist schön, das nicht alleine anzusehen, sich nicht nur gegen innen über die einfälle und die genialität zu freuen, sondern das mit jemandem teilen zu können.
schliesslich sitzen wir unter palmen beim kaffee. das geld für den eintritt hat eine art lebenskünstler eingezogen. hochgekrempelte schmuddelige jeans, ein halb offenes hemd, beginnende rastas, spielt er gitarre beim kaffee und singt dazu. wir sitzen gemütlich in einer sitzkoje, aus beton mit eingelassenen flaschenböden. es ist friedlich. sonne, palmen, gitarre und gesang. ab und zu reden wir etwas.
irgendwann sind alle gäste weg. der lebenskünstler erzählt uns, er fühle sich viel freier, seit er von ganz wenig lebe. er habe im moment alles, was er brauche. kleidung, nahrung und ein dach über dem kopf. plötzlich beginnt er, der zusammenhang ist mir entfallen, wörter aufzuzählen, die besser sind als cleaning, putzen. er klimpert auf seiner gitarre, schaut nachdenklich in die luft und zählt wörter auf. wir lachen leis in uns hinein, der typ ist abgefahren. unvermittelt sagt er, es sei komisch, kein bier in der hand zu haben. ich sage, das hätten wir uns auch schon gewünscht. er erklärt, an neujahr sei etwas mystisches passiert, auf einmal möge er kein bier mehr. das sei ihm schon einmal passiert. ich frage, wie lange dieser zustand angehalten habe. fünfzehn jahre.

mittlerweile ist es abend geworden und damit auch klar, dass christoph heute nicht mehr weiterfahren wird. auf dem doc-camping (naturschutzbehörde) checkt man ein, indem man einen zettel ausfüllt, einen beleg abreisst und ihn ans zelt heftet und den zettel mit dem geld in einen briefkasten legt. nach dem zeltaufstellen gehts erstmal durch den busch ans meer. eine doc-freiwillige hat mit uns geplaudert. sie erinnert mich an eine nette englische lady, die viel lacht und freude an den leuten hat. jedenfalls sagt sie, dass es ganz selten sei, dass der busch bis nach meer runterkomme.
es ist wunderschön. knorrige und verzworgelte alte bäume wachsen über den strand. sie haben sich gesenkt, weil der boden unter ihren wurzeln weggespült wurde. knapp über dem boden hängen sie, die stämme sind von allerlei schmarotzern bewachsen. die bäume haben spezielle rote blüten. das wasser ist ein meerarm und nicht tief. auf der anderen seite des meerarms wächst ursprünglicher wald mit den charakteristischen dünnen bäumen, deren kronen ein dach bilden. das bild ist zeitlos. es könnte auch vor millionen von jahren so ausgesehen haben.

wald am meer bei papatowai

wald am meer bei papatowai

wald am meer bei papatowai

wald am meer bei papatowai

pflanzen auf baum, papatowai

pflanzen auf baum, papatowai

wald am meer bei papatowai

wald am meer bei papatowai

wald am meer bei papatowai

wald am meer bei papatowai

wald am meer bei papatowai

wald am meer bei papatowai

christoph watet dann noch bis zum meer vor, ich lege mich ins zelt und lese.
später kochen wir zusammen, auf beiden kochern.

image

hörnli mit gemüse. es ist angenehm, sich zu unterhalten. beim essen geht die sonne unter und ich erlebe zum ersten mal sandflies. die mücken sind etwas grösser als fruchtfliegen und daher sehen sie harmlos aus. aber sie beissen und manchmal kommt blut. ich stopfe meine hose in die socken und ziehe die kapuze hoch. auf dem weg zu den zelten ist es dunkel und wir versuchen, das kreuz des südens zu finden.
mein zelt steht direkt neben dem busch. ich liege im schlafsack und höre rascheln und flattern, gurren und piepsen und im zelt wirkt das alles so nah. es ist wie im zoo. und erst morgens. das konzert weckt mich immer. dann wird deutlich, dass es hier viel mehr vögel gibt als bei uns.

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