colac bay/oraka – tuatepere

es regnet. dichte wolken hängen hundert meter über dem boden an den flanken der hügel. regenkleidung montiert, aber es ist nicht so kalt und ich schwitze. da regen meist von vorn, blick auf dem weissen strich. einmal kreuzt mich ein schaftransporter, dreistöckig, und ich seh die wasser-wand schon kommen. kaum ist er vorbei, schlägt sie mir nass und mit schafsgeruch voll entgegen. ich bin pitschnass.
nach 17 km gibts in orepuki einen kaffee und eine fudge-schnitte. ich versuche, alles ein bisschen zu trocknen. dann weiter.

ich bin gelassen, auch wenn das wetter nicht überaus spass macht. was kommt, kommt. es kommt sicher gut. und meist hat es mit der zeit zu regnen aufgehört und bei der ankunft bin ich schon wieder einigermassen trocken. ausserdem habe ich mittlerweile eine realistische einschätzung von der möglichen leistung. bis jetzt habe ich alles irgendwie bewältigt. heiss und stotzig und gravel.

plötzlich taucht auf der anderen strassenseite eine tourenfahrerin auf. regen egal, wir unterhalten uns quer über die strasse hinweg. der verkehr stört das gespräch und sie wechselt auf meine seite. elizabeth o’connor kommt aus irland, ist in london aufgewachsen und ging mal für einen monat mit dem velo nach griechenland, um zu schauen, wie das so ist. sie ist nicht mehr nach hause gegangen. neuseeland ist ihr 18. land mit dem velo. sie fährt bis bluff, dann ist die nord-süd-durchquerung fertig. dann fliegt sie nach vancouver und fährt dann wohl bis feuerland. 22 monate ist sie schon unterwegs. i took some years off work, sagt sie, als ich nach arbeit frage. sie habe sich einige jahre freigenommen. wir plaudern mindestens 20 minuten. es regnet. sie habe schon lange ihr regenzeug anziehen wollen, aber in dem land könne man fast nirgends das velo anstellen. genau, sage ich, und unterstand findet man auch nirgends. wir lachen über die zäune! ich sage ihr, bald komme ein gutes kaffee und wir tauschen kontaktangaben aus. dann fährt jede in ihre richtung weiter.

elizabeth aus irland, seit 22 monaten unterwegs, in griechenland angefangen, mittlerweile 18 laender durchradelt, auf dem weg nach invercargill, womit sie ihre neuseeland-durchradelung abgeschlossen haben wird

elizabeth aus irland, seit 22 monaten unterwegs, in griechenland angefangen, mittlerweile 18 laender durchradelt, auf dem weg nach invercargill, womit sie ihre neuseeland-durchradelung abgeschlossen haben wird

beim mccrackens aussichtspunkt halte ich an. da steigt gerade ein mittelalterliches paar aus dem auto. oh look, you brave thing, sagt die frau. du mutiges ding. dann frage ich sie, ob sie ein foto von mir macht. das ist nämlich definitiv nachteilig am allein reisen. fotos von sich sind mit einem erhöhten aufwand verbunden. sowieso sehe ich immer ähnlich aus. das gesicht brauner, die haare kürzer und die kleidung auch immer die gleiche. was sich ändert, sieht man auf den fotos nicht. das phänomen hat hape kerkeling in seinem buch über den jakobsweg beschrieben. der mann war mir nur vage ein begriff, als im tv (k)eine geburtstagsshow zu seinem 50. kam. da ich ja zu der zeit noch über einen tv verfügte, bildete ich mich weiter. jedenfalls hat er mit 36 als absolute sofakartoffel den jakobsweg gemacht. in der sendung hat er ein paar sachen gesagt, die mir gefallen haben. drum hab ich dann das buch gelesen. zum beispiel sagt er eben, dass er sich mit der zeit leergelaufen hat. dass viele sachen auftauchen, die man eigentlich vergessen hat. und er hörte mit der zeit auf, bilder von sich zu machen. ewig das gleiche wanderhemd und das gleiche gesicht. was innerlich abgeht, zeigt sich auf den bildern nicht.

"look, you brave thing", maccracken's rest, tuatepere noch 18 km

„look, you brave thing“, maccracken’s rest, tuatepere noch 18 km

tuatepere kam bald einmal. vorbei an der abzweigung zum happy valley.

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der regen hörte auf, ich zog regenhose und gamaschen aus und bald war ich trocken. der typ von der information versicherte mir, dass es zwischen clifden und manapouri wirklich keine übernachtungsmöglichkeit gebe. dann empfiehlt er mir eine lodge, bei der man auch zelten kann. das war ein guter tipp! zelt aufgestellt, geduscht und ins cafe zu pastinakensuppe, pommes frites und ginger beer. der mann erklärt mir den unterschied zwischen ginger beer und ginger ale. beides sind nicht-alkoholische getränke. das beer ist aber fermentiert, ingwer, wasser, zucker. das ist so, wie ich es von england in erinnerung hatte. scharf und kratzt im hals. und ale ist parfümierte limonade.

dann gemütlich lesen, bloggen, trip zum doubtful sound buchen. die sache ist nämlich jetzt beschlossen.

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