te anau – mavora lakes

der morgen vergeht viel zu schnell. die katalonische gruppe geht früh. ich packe alles zusammen, räume die wäscheleine auf und esse mein hastiges frühstück am gleichen tisch wie norie. draussen blauer himmel mit wolken.
nach te anau geht es erstmals gut 30 km durch farmland, weiden, flax entlang der strasse. ich hätte gerne kaffee in the key, aber da scheints nur eine schule zu geben. dann die abzweigung zu den mavora lakes. 37 km gravel.

ich lehne das velo auf einer kleinen brücke an das geländer und esse etwas. 150 m weit weg, auf der hauptstrasse, tut sich etwas. mehrere bauern in kleinen, langsamen gefährten sind aufgetaucht, ähnlich golfwägeli, mit hunden hinten drauf. hinter mir erscheint eine frau auf einem quad mit dach und einer kiste mit zwei hunden. sie bittet mich, 100 m weiter zu fahren und dort zu warten, sie würden gleich schafe umtreiben. kein problem. ich fahre etwas weiter. zuerst passiert nichts oder ich bin zu weit weg. dann sind die schafe zu sehen, eine niedrige, wollige masse schiebt sich vorwärts, das blöken schwillt an, ist fast nicht mehr als solches zu erkennen, gleicht einem bienenstock. dann ist der spuk vorbei.

image

ich beginne die 37 km gravel. es ist mühsamer gravel. stellenweise haben sie vermutlich erst neulich neuen kies hingekippt. zum glück ist kaum verkehr. ich suche mir auf der 5 m breiten strasse mäandernd jeweils die beste fahrspur. manchmal muss ich abstehen, um die fahrspur zu wechseln, weil der kies zu hoch liegt.

plötzlich ist weit vorne eine person zu erkennen. beim näherkommen fällt mir auf, die person joggt. noch näher sehe ich einen recht grossen rucksack. als ich aufhole, dreht sich eine grinsende frau in meine richtung und bleibt stehen. wohin gehst du? frage ich. nach cape reinga, sagt sie. das ist der nördlichste punkt der nordinsel. sie heisst anna und kommt aus london. seit kurzem gebe es einen wanderweg von bluff nach cape reinga. sie habe sich gedacht, dass sie ihn wandern könne, sei klar. aber könne sie ihn joggen? jetzt ist sie seit neun tagen unterwegs, hat fünf monate zeit und macht meist 30 km am tag. sie trägt ca. 12 kg. 7,5 kg ist die basis ohne essen, inkl. zelt und schlafsack. das geheimnis sei, keine kleidung. also sie habe beinlinge, aber keine hosen ausser der radlerhose. naja, ausser einem paar leggins mit einem einhorn und einem regenbogen drauf. für die wirklich schlechten tage. i think, everyone needs leggins with a unicorn.
ich bin beeindruckt. nein, sie sei keine läuferin, normalerweise täte ihr immer alles weh, mehr als dreimal pro woche liege nicht drin. amazing, these bodies! jedenfalls pult sie eine visitenkarte hervor. hier gehts zu ihrer webseite http://www.annamcnuff.com
sie sagt, früher sei sie auch radgefahren, durch amerika. so was hat „k“ der japaner auch gesagt. und bei ihm mit seinen 40 bis 50 kg gepäck hab ich das laufen nicht wirklich als weiterentwicklung des radfahrens empfunden. nachdem ich anna habe weiterlaufen lassen, sie will heute 40 km machen, um es sicher bis morgen nach queenstown zu schaffen, um eine freundin zu treffen, bevor die heimreist, geht mir die sache erneut durch den kopf. mit 7,5 kg zu wandern (oder von mir aus zu rennen) ist eine unglaubliche reduktion. sie ist wahrscheinlich nur mit handgepäck um die halbe welt geflogen. und sie kann echt nur für sich schauen. kein velo, keine ersatzteile, keine werkzeuge. das ist unglaublich. nicht zu unterschätzen bleiben die beschränkten distanzen. k ist zwar teilweise gleich weit gekommen wie ich. da waren wir aber im 60-km-bereich.
eine weile sehe ich anna noch im rückspiegel, dann hänge ich sie ab. wobei ich ja im bereich 6 bis 12 kmh vorwärts krieche.

an einem gatter lehnen zwei beladene velos. der italiener aus manapouri mit einem landsmann. der hat einen anhänger mit einem surfbrett drauf. allerdings hat er surfbrett und neopren einem kollegen überlassen, während er die mavora-lake-route fährt. ich plaudere mit ihnen und fahre dann weiter.
vor mir wieder action. bauern mit hunden, pickups und eine menge geschorener, rosa schimmernder schafe. ich halte beim ersten bauern an. nur durchfahren, sagt der. also holpere ich hinterher. da ich nicht weiss, wo die schafe hinsollen, traue ich mich nicht, die ganze strassenbreite zu benützen. eines hat einen gebrochenen haxen. hinkt hinterher. ich fahre langsam, komme nicht an den schafen vorbei, treibe sie eher vor mich her. dann sehe ich auch, wo sie hinsollen. alles paletti.

und plötzlich ist sie da, die abzweigung zu den mavora-lakes und zum zeltplatz. ich holpere durch einen beech forest mit dickem moos am boden, kühler schatten.
beim registration kiosk zettel ausfüllen und geld runterschmeissen. beim weiterfahren kommt mir das ranger-paar entgegen. zehn meter weiter liegt ein portmonnee am boden. ich halte an, hebe es auf und sehe mich nach den rangern um. sie leeren gerade den briefkasten. ich bringe ihnen das portmonnee und als sie es öffnen, um nach einem namen zu suchen, sehe ich mindestens vier fünfzigernoten.

lake mavora

lake mavora

die campinggebuehren werden in eine tuete gesteckt, diese mit namen und an-/abreisedatum beschriftet und in den eisernen briefkasten geworfen

die campinggebuehren werden in eine tuete gesteckt, diese mit namen und an-/abreisedatum beschriftet und in den eisernen briefkasten geworfen

auf einer länge von mehreren kilometern kann am entlang den beiden seen oder zwischendrin zelten. ungefähr in kilometerabständen hat es toiletten und wasserhähne. ich fahre bei ein paar hinzu, aber will weiter nach hinten. gerade wende ich wieder, winkt mir ein motorradfahrer. dann fährt er heran. danke für das portmonnee, sagt er erleichtert. ach so. ja gern geschehen. ob er mich zum abendessen und einem glas wein einladen dürfe? er und sein buddy seien mit den motorrädern unterwegs und hätten ihre zelte beim nächsten klo aufgeschlagen. also fahre ich zu ihnen. ich hatte mich auf einen zeltplatz direkt am see und ruhe eingestellt (mit bloggen aufholen!). aber es war die art von angebot, die ich nicht ausschlagen konnte. ausserdem: einfach hinsetzen zum abendessen? wein?
ich baute mein zelt auf und dann gabs essen. spaghetti mit olivenöl, knoblauch und pesto. dazu pinot gris aus central otago new zealand. die beiden heissen praktischerweise beide michael, sind um die vierzig und kommen aus kanada. sie gehen seit ewig alle zwei bis drei jahre zusammen motorrad fahren. sie fahren immer etwas lokales, damit es leicht zu reparieren ist. hier bmw und ktm. aber zum beispiel in indien seien sie alte englische maschinen gefahren. dreieinhalb wochen sind sie da, nur auf der südinsel. so lange ferien zu machen, sei unerhört bei ihnen. wie bei den amerikanern haben sie zwei wochen ferien. normalerweise gehe man eine woche irgendwohin. zwei wochen sei schon eine sehr lange reise. bei dreieinhalb fallen den leuten schon die kinnladen herunter. er macht ein gesicht, was die leute bei drei monaten denken würden. wahrscheinlich auswandern.
portmonnee-michael wäscht ab und der andere versucht, ein feuer zu machen. ich schaue ihm recht skeptisch zu. das holz ist nass und er hat wenig papier. ich bin zu müde, um ihm zu helfen. da fährt der ranger heran, sieht michaels kümmerlichen versuch und holt eine art buschmesser aus dem auto. damit zerhackt er ein dickeres holzstück. der ranger geht auf die siebzig zu, seine mageren sehnigen beine ragen aus jeansshorts und verschwinden in halbwadenhohen gummistiefeln. er heisst john. die michaels sind begeistert und bezeichnen sich als citiots (kombination aus city und idiots). jedenfalls brennt jetzt etwas.
john wünscht gute nacht und verschwindet mit seinem werkzeug, das er morgen braucht, wenn er seine 30 possumfallen abklappert. ich spendiere eine tafel whittaker’s schoggi zum dessert. kurz darauf steht john’s weisser jeep schon wieder bei uns. aus dem kofferraum schleift er einen sack voll mit trockenem holz und eine kiste mit papierabfall. ich glaube, er hält ein mickeriges feuer nicht aus. jetzt brennt es super, aber eigentlich wollen wir bald schlafen gehen.
ich mache mir noch eine flasche mit heissem wasser, es ist nämlich ziemlich kalt. sass schon beim abendessen mit primaloft, halstuch und mütze. dann ab in den schlafsack.

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