arrowtown – crown range – wanaka

ich wollte ja gestern früh schlafen gehen, da ich früh los will, um der hitze beim aufstieg zu entgehen. an schlafen ist aber nicht zu denken. erstens ist es abends um neun noch immer 27 grad warm. das zelt ist voll auf lüften geschaltet. und zweitens sind sommerferien und die kinder noch nicht im bett. sie fahren mit ihren velos zwischen den zelten herum und machen lärm. mit hilfe von hörbuch und musik schlafe ich dann doch ein.

am morgen ist es kalt. arrowtown liegt in einem kessel und bis die sonne über den hügelkamm steigt, ist es frisch. mit klammen fingern packe ich alles und fahre los. ich überlege sogar kurz, die mütze anzuziehen, weiss aber, dass der aufstieg bald beginnen wird.
die abzweigung nach 5 km auf die crown range kommt, ich sehe die serpentinen und freue mich.

so sieht es hier aus, blick zurueck auf dem aufstieg auf die crown range

so sieht es hier aus, blick zurueck auf dem aufstieg auf die crown range

hier entscheidet es sich: crown range oder aussen rum

hier entscheidet es sich: crown range oder aussen rum

es ist ziemlich steil. ich arbeite meinen weg hoch auf eine art alp. hier ist es etwas flacher. drei rennvelos überholen mich. anfangs bin ich im schatten des bergs gefahren, jetzt voll in der sonne. lange hose ausziehen. sonnencreme. ich sehe bis zum lake wakapitu. ausserdem sehe ich fast den gesamten weg, den ich von queenstown nach arrowtown gefahren bin. und weiter gehts.

blick zurueck, auf dem weg auf die crown range: man sieht bis zum lake wakatipu (an dem queenstown liegt)

blick zurueck, auf dem weg auf die crown range: man sieht bis zum lake wakatipu (an dem queenstown liegt)

rechts fahre ich mit klick, weil ich mein knie spüre und das ziehen nicht wehtut. aber es macht mir angst. knieschmerzen beim velofahren sind das letzte. es hat wenig verkehr, und aufgrund der engen, kurvigen strasse fahren sie langsam. trotzdem fahre ich einmal zu nahe an den rand und falle fast um. ich fahre so langsam, dass ich instabil werde. dann kommt gegenwind auf. laut meinem höhenmesser sind wir auf 900m, noch 176m to go. weiter oben sehe ich leute und autos. dort scheint die strasse wieder im lee zu verlaufen. also eine weile schieben. als ich auf der höhe der leute bin, sehe ich das schild und merke: ich habs geschafft! ich bin ja schon oben. 1076m, die höchste befestigte strasse in neuseeland. ich frage einen mann, ob er mich fotografiert. währenddessen fährt ein paar auf mountainbikes heran. wir plaudern. sie wohnen am fuss des hügels und fahren ab und zu schnell mal herauf. so wie wir auf den gurten. sie waren gestern auch schon oben.
der biker macht nochmal ein bild von mir. beim anderen mann war das velo nicht richtig drauf. manche leute haben echt kein auge dafür, was ungefähr ins bild sollte. der biker macht es ein bisschen besser.

das weniger gute foto vom ersten fotografen, das surly wollte doch auch mit drauf

das weniger gute foto vom ersten fotografen, das surly wollte doch auch mit drauf

crown range summit, yeah!

crown range summit, yeah!

ziemlich gegenwind bei der abfahrt. kommt mir aber nicht ungelegen, da ich dadurch weniger bremsen muss. beidseits der strasse gehen braungrüne buschige, grasige hügel bis zum himmel. der verkehr hat deutlich zugenommen. motorräder und oldtimer. passstrasse halt.

abfahrt nach der crown range passhoehe

abfahrt nach der crown range passhoehe

in cardrona beim alten hotel halte ich an. alle halten hier an. wie aus dem wilden westen sieht es aus, innen mit groben holzmöbeln und alten geräten an den wänden. ich stelle mich hinter einer motorradgruppe an und bestelle kaffee und ginger slice. der barmann macht mich darauf aufmerksam, dass für kaffee fünfzehn minuten wartezeit besteht. wegen des andrangs. ich setze mich in den grossen garten und geniesse die wärme.

cardrona hotel, nach der crown range passhoehe

cardrona hotel, nach der crown range passhoehe

die weiterfahrt ist heiss und trocken. ich fahre weiter in dem tal, das sich weitet. gelbes gras und grüne bäume prägen das bild. die sonne brennt auf die strasse, die luft riecht trocken und nach ätherischen ölen, als würde ich ständig inhalieren. mein knie nervt.

bewaessert oder nicht bewaessert, das ist hier die frage

bewaessert oder nicht bewaessert, das ist hier die frage

auf dem weg nach wanaka

auf dem weg nach wanaka

irgendwann kommt wanaka, der see leuchtet blau zwischen den hügeln, leute schwimmen und sonnen sich am kiesigen strand, zwei boote fahren hin und her. ich stosse das velo der promenade entlang und esse schliesslich in einem cafe einen salat. anschliessend einkaufen. ich schreibe mani (mein velomech) eine karte und erzähle ihm, wie es läuft. das surly läuft super, das war echt gute beratung und arbeit.

lake wanaka bei wanaka

lake wanaka bei wanaka

ich übernachte ja heute bei alastair und ann, die 5 km ausserhalb von wanaka wohnen. auf dem weg dahin will ich im museum puzzling world vorbei. optische täuschungen usw. leider kenne ich vieles schon. es macht trotzdem spass, sich darauf einzulassen. es wäre allerdings lustiger zu zweit. vor allem der schräge raum ist echt interessant. am besten ist aber das cafe: auf allen tischen liegen spiele. puzzles, diese schnurspiele, verkrümmte eisenstäbe zum auseinandernehmen… herrlich!

das schraege haus im museum puzzling world, darin hat man ziemlich muehe mit dem gleichgewicht

das schraege haus im museum puzzling world, darin hat man ziemlich muehe mit dem gleichgewicht

im museum puzzling world

im museum puzzling world

das ist gestrickt! und man sieht einstein nur, wenn man so schraeg von der seite schaut

das ist gestrickt! und man sieht einstein nur, wenn man so schraeg von der seite schaut

puzzling world, cafe

puzzling world, cafe

die restlichen paar kilometer zu al und ann sind mühsamer als der ganze tag. der verkehr ist schnell und viel. die strasse hat kaum rand und viele scherben. mein knie nervt. ganz zum schluss noch 1 km gravel, kaum fahrbar. aber ich bin da. zwei häuser, eins aus holz, eins aus holz und beton. ein kleiner weisser hund freut sich enorm, mich zu sehen. steht hoch und kratzt mit seinen krallen an meinen beinen. er bellt wenig und es ist niemand zu sehen. beim betonhaus ist die tür auf. ich rufe hallo. grosse fenster, einrichtung wie in einem schönen katalog. der hund will nicht bellen. beim holzhaus hat es eine glocke. die holt al aus dem obergeschoss hervor. er zeigt mir alles, sie wohnen im betonhaus, das holzhaus ist älter und heute werkstatt, büro und mein gästezimmer. al beliefert händler mit fox federgabeln und anderen fox-artikeln. ausserdem werden in der werkstatt foxgabeln repariert, die per kurierdienst von den händlern kommen. alles ist voller velos und zubehör und schachteln.
aber das coolste ist der wasserspender in der küche. in die kühlschranktür eingelassen ist ein futuristisches ding, glas drunter und per sensor wird wasser eingefüllt. es hat was star-trek-replicator-mässiges an sich und ich höre picard grad sagen „tea, earl grey, hot“ oder eben eher „water, cool“. es ist gefiltertes quellwasser.

 "tea, earl grey, hot" (picard, startrek), nein eher "water, cool"


„tea, earl grey, hot“ (picard, startrek), nein eher „water, cool“

ausserdem piept ab und zu etwas irgendwo und das haus hat was von tatis „mon oncle“ an sich, ist aber belebt und warm und freundlich. die grossen fenster sind der hammer. über eine gelbe trockene ebene mit vereinzelten grünen bäumen und kleinen waldstücken sieht man an die bergkette hin. graugrün und unverrückbar steht sie am horizont, blauer himmel darüber. al sagt, in dieser gegend sei abends um sechs die heisseste tageszeit. ich glaube es sofort.

was fuer eine aussicht! bei al, ann und millie zu hause

was fuer eine aussicht! bei al, ann und millie zu hause

ann und millie kommen heim, millie ist dreizehn und grösser als ich. allerdings auch etwa dreimal weniger masse. al geht kurz mit seinem bike weg. er geht demnächst an ein rennen und will checken, ob alles passt. ich räume mein zeug auf, lasse die isomatte atmen und stelle das zelt zum trocknen auf. später gehe ich mit ann und millie salat beim haus ihrer tante holen. das mädel darf die paar hundert meter gravelstrasse fahren. sie macht es auch ganz gut, obwohl die bei der einfahrt etwas allzu nah an der mauer entlang kurvt. sie passt dann auf das lamm auf dem grill auf, während ich mit ann und al zum see fahre. sie wohnen ca. einen kilometer vom lake wanaka entfernt. das wasser ist an die achtzehn grad warm. normalerweise sei es wärmer, sagt al, aber es habe neulich geregnet und danach sei das wasser immer kälter. hier in der dublin bay ist das wasser ziemlich seicht und man muss sich fast hinhocken, um ganz im wasser zu sein.

zum abendessen gibt es das lamm mit salat und frühkartoffeln. und eine interessante lektion über die aussprache von maoriwörtern. ann hat viele jahre als lehrerin gearbeitet und sie reden im schulischen alltag etwas maori. sie sagt, viele leute sprächen die ortschaften falsch aus. te anau, tuatepere, oamaru… stellt sich heraus, dass ich mit der eher deutschen aussprache fast genauer bin. al erklärt, ihre generation habe kein maorischer sprach- und kulturunterricht in der schule gehabt. millies generation habe das jetzt und spräche nicht nur die wörter richtig aus, sondern lerne auch generell einiges über die maori-kultur.

als ich quer über den platz zum anderen haus hinübergehe, spannt sich der himmel dunkel über mir. keine light pollution und keine strassenlaterne beeinträchtigen die sicht. unmengen von sternen leuchten, die milchstrasse ist deutlich erkennbar. und das kreuz des südens. es beeindruckt mich immer wieder. jahrhunderte lang haben leute zum gleichen sternbild aufgeschaut, um sich zu orientieren.

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