makarora – haast

als ich um 05.45 uhr vom wecker aufwache, weht in den thujawipfeln über mir der wind. der erste gedanke ist, nochmal umdrehen und im gemütlich warmen schlafsack verkriechen. die gestrigen 60 km gegenwind sitzen mir aber noch in den knochen. so zwinge ich im vertrauen auf die wettereinschätzungen anderer aus dem zelt.

kenzy ist auch schon auf und streicht buttertoasts. er liebt butter, isst sie zu jeder mahlzeit und schleppt ein grosses mödeli mit. eine frau an unserem tisch hat gestern schon stielaugen gemacht. der velofahrer hat butter dabei! sie ist mit ihrem freund im auto unterwegs und meist auf doc-plätzen. sie habe seit vier wochen keine butter gegessen.

ich kaufe im lädeli vom camping schoggi und gesalzene nüsse, dann los. dem knie gehts soweit gut. ich fahre flussaufwärts. das flussbett nimmt fast die gesamte ebene fläche des tales ein. links und rechts bewaldete hügel. es ist noch frisch. die sonne kommt erst später über den hügelkamm. gänse grasen.

heute scheint bienentransporttag zu sein. mehrere trucks fahren mit einer ladung bienenkästen vorbei, dann riecht es stark und süsslich nach bienenwachs.

auf dem weg zum haast pass

auf dem weg zum haast pass

die strasse geht rauf und runter, mir scheint, wir dümpeln ewig um die 350 hm. die passhöhe liegt auf 564m. ausserdem sollten es nur 18km bis auf den pass sein. ich komme den 18km immer näher und frage mich langsam, wie steil das werden soll. aber auf meinem pc kommt die passhöhe erst bei 20km und so geht es ungefähr anderthalb kilometer rauf, steil, aber fahrbar. oben mache ich erstmal ein passfoto. die campervans halten gar nicht an, aber für die wars ja auch keine leistung.

haast passhoehe (tja, selbstausloeser passfotos sind nicht einfach, aber ist alles drauf, was zaehlt ;)

haast passhoehe (tja, selbstausloeser passfotos sind nicht einfach, aber ist alles drauf, was zaehlt 😉

obwohl mehr als 60 km vor mir liegen, beschliesse ich, die 30min aufstieg zum lookout (aussichtspunkt) auf mich zu nehmen. es ist herrlich. ich tauche ein in den beech forest, der weg geht steil nach oben. dickes moos bedeckt den boden. da der weg teilweise in den boden gehauen ist, sieht man deutlich, wie wenig boden auf der steinigen grundlage liegt.

zum haast pass lookout

zum haast pass lookout

aufstieg zum haast pass lookout

aufstieg zum haast pass lookout

beech forest, aufstieg zum haast pass lookout

beech forest, aufstieg zum haast pass lookout

plötzlich auf dem weg weiter unten ein geräusch. ich bleibe stehen und spähe vorsichtig durch die bäume. vielleicht sehe ich endlich ein possum! aber es blitzt blau und gelb zwischen moos und grün und eine bekannte gestalt huscht den weg hinauf. kenzy. er ist nicht viel später gestartet, aber ist noch zu den blue pools gegangen. das lag auch am weg. offenbar ein fluss, bei dem sich natürlich mehrere becken ergeben haben.
und plötzlich sind wir oben. von einem bänkli sehen wir über den wald hinaus. wie eng stehende broccoliköpfe sieht es aus. links ein weisser gipfel, rechts weit unten der fluss in seinem gerölligen bett. runter geht es langsamer. der steile schotterige weg ist mit den clickschuhen kein traum. aber es geht.

auf dem haast pass lookout

auf dem haast pass lookout

kensy aus malaysia, haast pass lookout

kensy aus malaysia, haast pass lookout

kenzy hat mir oben einen farmer angeboten, naja eher aufgedrängt. er selber ass einen selbstgemachten: peanutbutter schmelzen, weinbeeren, nüsse und müesli reinmischen, zu häufchen formen und erkalten lassen.
unten treffen wir ein paar auf surlies – sie haben auch in arrowtown übernachtet.

die abfahrt ist zuerst gäbig, dann richtig steil. zwischendrin unangenehme bovistopps, für die ich auf schritttempo runterbremsen muss. dazu immer wieder bauarbeiten. hier möchte ich definitiv nicht von dieser seite hochfahren! ich schaue mir die fantail falls an, das foto ist leider völlig überbelichtet.

zmittag esse ich beim pleasant flat doc-camping. hier gibt es tische, wasser und klo. die sandflies kommen erst, als ich schon fast mit essen fertig bin. sofort einsprayen. dann fällt mir ein, dass kenzy gestern gesagt hat, die vielen sandflies stünden in den bemerkungen/reviews zu dem camping. deshalb wollte er nicht hier übernachten.

die weiteren 40km sind gemässigtes auf und ab, entlang eines breiten flussbetts. eigentlich genau wie vor dem pass mit dem unterschied, dass ich jetzt flussabwärts fahre und es sich um einen anderen fluss handelt. tendenziell fahre ich runter, es geht in richtung meer.
links steile felswände mit hängenden gärten, tropfendem moos und farnen, die an der wand wachsen. dann wieder wald, steil ansteigend, mit beech bäumen, baumfarn und allerhand büschen. zikaden zirpen. das ist nicht dezent wie bei unseren grillen, sondern laut und scharf. und es sind etliche. dazwischen quietscht, pfeift, singt, hupt ein vogel. rechts sieht es ähnlich aus, nur dass nach etwa 20 m bäumen das flussbett anfängt. der fluss ist grösser als der heute morgen, aber auch er nimmt nur einen teil der breite ein. ein kräftiges helles blau fliesst ruhig dahin. hie und da sehe ich es durch die bäume. immer wieder geht es über kleine brücken. unzählige culverts und creeks fliessen von den steilen wänden herab. sie sind immer mit namen beschildert: chelsea, solitude nr. 1, pivot oder cattle.

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mir kommen etliche tourenfahrerlnnen entgegen. sieben oder neun, ich weiss nicht mehr, ob drei oder vier paare. ich denke an den steilen abhang, den ich runtergefahren bin und beneide sie nicht. das letzte paar begegnet mir um halb vier. sie wollen noch auf die passhöhe, das sind fast 60 km und die steile strasse. sie fragen, ob da hinten eine ortschaft komme. nein, sage ich, bis zum pass kommt nichts. aber es gibt einen camping.
endlich endlich kommt ein schild, das haast ankündigt. der wald geht zurück, das flussbrett wird breiter. ich folge dem wegweiser zu einem kleinen dorfladen. kaufe für viel geld wenig ein. die gemüseauswahl in den läden ist immer beschränkt. zum glück gibt es tomaten und peperoni. in der nähe gibt es eine lodge mit zeltplatz. ich will aber zum top ten holiday park, da diese immer computer haben. möchte wieder mal bilder hochladen.

nach dem einkaufen setze ich mich für cafe und cola in eine kleine imbissbude. drei holländerinnen wollen heute noch nach wanaka. das daure ja nur zwei stunden. die frau, die gerade abräumt, gibt zu bedenken, dass sie mehr zeit einrechnen sollten, um noch das eine oder andere anzuschauen. das gibt mir zu denken. in zwei stunden machen, wofür ich zwei tage brauchte? es gibt momente, in denen ich mir wünsche, schneller vorwärts zu kommen. aber was hätte ich alles verpasst! all die bilder, all die einzelheiten, all die schweisstropfen, all die gedanken. es ist ein ganz anderes reisen.

obwohl ich nicht mehr mag, geht es nach der pause besser. daran denke ich immer seit kerkelings buch über den jakobsweg. der hatte ja recht grosse pensen und ist doch immer wieder irgendwo eingekehrt. mich drängt es oft, zuerst das zelt aufzustellen und mich dann irgendwo hinzusetzen. aber es geht auch andersrum gut. schlafplatz hab ich noch immer gefunden und jetzt wird es ja deutlich ruhiger. die sommerferien sind bald vorbei. ich nehms langsam gelassener…

an der westküste gibt es weniger orte, weniger leute und mehr regen. verkehr geht alles über die sh6, es gibt nichts anderes. ich bin gespannt.

beim abendessen hat es nur deutsche und schweizerische familien in der küche. ich muss dort essen, weil mein kameraakku am strom hängt. ein bub fragt seinen vater, wo sie die nächste nacht verbringen. an der wand hängt eine karte mit allen top ten holiday parks. queenstown, sagt der vater. das stürzt mich wieder in die gleichen gedanken wie heute beim kaffee. der haast pass, die seen wanaka und hawea, das tal gegen die crown range, die passhöhe, das kleine örtchen arrowtown, die schöne strecke durch das tal hinunter nach queenstown. das alles wollen sie morgen machen. ich kann es mir nicht vorstellen.

beim sonnenuntergang plane ich an einem tisch neben meinem zelt meine route. bis mich die sandflies vertreiben. mit dem gift stechen sie zwar viel weniger, fliegen aber umso irritierter herum. nach der maorilegende hat gott oder göttin ja die sandflies erschaffen, weil hier sonst die landschaft zu schön wäre. damit sich die menschen bei all dem schönen auch des schwierigen und unangenehmen bewusst sind.

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