haast – lake paringa

irgendwann in der nacht wurde mir klar, dass ich zu wenig zu essen habe fuer zwei bis drei tage. also morgens zwar nicht nochmal zum supermarkt, sondern zur tankstelle. ich streiche ewig um die drei regale herum, bis die verkaeuferin misstrauisch rueberschaut.

dann erstmal ueber die achthundert meter lange einbahnbruecke. einer kann nicht warten, bis ich drueben bin. aber er faehrt langsam und es ist genug platz. es geht durch den urwald. wunderschoen, ich kann kaum alles schauen. so viel gruen, so viele blaetter, die verschiedenen stufen, die unterste sieht man nicht, die mittlere ist ganz dicht, wie kissen, bluehend, und die oberste aus einzelnen, herausragenden baeumen, mit moos behangen.

urwald

urwald

schoen gestufter waldrand

schoen gestufter waldrand

ploetzlich ist der wald zu ende. respektive verlaeuft er rechts weiter, links weiden kuehe und dahinter ist das meer zu sehen. ich habe die westkueste erreicht! ein schild „coffee, whitebait patties, 1 km“ laesst mir das wasser im mund zusammenlaufen. ich kaempfe mit mir. will geld sparen und hab doch zu essen. versuche, nicht daran zu denken, dass das, was die laeden hergaben, nicht so viel energie bietet.

die westkueste!

die westkueste!

der wald ist den ganzen tag da. rauf und runter geht es, der kueste entlang. das meer ist nur ab und zu zu sehen. es ist heiss und in dem waldkorridor gibt es keinen wind.

ich bin muede. mache mir sorgen, dass ich zu wenig gut auf meine ernaehrung aufgepasst habe. ich habe sehr strukturiert geplant, vorbereitet und gepackt. ueber die ernaehrung habe ich dabei am wenigsten nachgedacht. und hier fehlt mir manchmal der blick aufs ganze. ich fahre jeden tag velo, so what. aber dass ich insgesamt an die achzig tage radle und dass das fuer den koerper eine spezielle situation ist, das vergesse ich manchmal.

dem lake moeraki entlang, wiederum ein schoener see mit diesem alten wald darum herum. und stellen, an denen viele tote alte baeume in den himmel ragen und der jungwuchs noch klein ist. im rechten licht koennte das gespenstisch wirken, wie skurril geformte baeume in einem hochmoor im nebel. wir haben aber eitel sonnenschein.

landschaft mit hohen, toten baeumen, bewachsen, der jungwuchs noch relativ niedrig

landschaft mit hohen, toten baeumen, bewachsen, der jungwuchs noch relativ niedrig

das surly kaempft sich wacker voran, mir scheint, es mag nicht so. der eindruck wird noch durch eine schabende kette verstaerkt – heute abend wird geoelt.

mehrere einbahnbruecken und waldkilometer spaeter kommt das schild. lake paringa camping and recreational area 300 m to left. ich holpere ueber den schotter zur anmeldung. sechs dollar in die tuete gesteckt und in den briefkasten geworfen. direkt dem busch angrenzend sind einige stellplaetze fuer wohnmobile, jeweils mit einem netten stueckchen gras daneben. vorne am see ist eine grosse matte fuer zelte. als ich mein velo aufs gras schiebe, hebt ein velofahrer gruessend die hand. er ist dabei, sein zelt aufzustellen und sagt, ich koenne gerne mit ihm den tisch teilen. auf der ganzen matte hat es naemlich nur einen dieser holztische mit den angemachten baenken. ich nehme das angebot dankend an, stelle das zelt mit flachs und cabbage tree (sieht aus wie eine kleine palme) im ruecken auf.

straesschen zum camping am lake peringa

straesschen zum camping am lake peringa

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so hab ich gezeltet

so hab ich gezeltet

lake peringa

lake peringa

lake peringa

lake peringa

der velofahrer ist ein kiwi! so was ist mir noch nicht begegnet. er kommt aus auckland, zieht aber nach dunedin, um oekologie zu studieren. seine habe findet selber runter, er faehrt mit dem velo. er hat eine etwas ungelenke art, grossflaechige taetowierungen und einen roetlichen bart. heute ist er 130 km gefahren. ich zeige mich beeindruckt. er erzaehlt ein wenig ueber die strecke heute – es wird ein teil meiner morgigen sein. rolling hills, sagt er. ich sage, es gehe ziemlich rauf und runter. morgen will er ueber den haast pass. ich bin wiederum beeindruckt, das sind auch 120 km mindestens und ziemliche steigungen.

sobald mein zelt aufgestellt ist, wird es von sandflies bewohnt – jedenfalls das aussenzelt. ich springe kurz in den see, es ist ja ein doc-camping ohne dusche. das wasser ist kuehl und erfrischend und wischt den staub der strasse ab. so richtig fertig wird es allerdings mit den mehreren schichten sonnencreme und insektenschutz nicht. hinterher habe ich aber das gefuehl, die sandflies seien weniger laestig. mit der zeit verschwindet der eindruck aber wieder. es hat echt viele und ich muss doch wieder einspruehen.

zwei junge deutsche benuetzen den tisch fuer einen haarschnitt. die friseuse ist offensichtlich im richtigen leben auch eine und hat ihre arbeitsgeraete mitgebracht. der „kunde“ sitzt in den boxershorts auf der bank. sie schimpft staendig mit in breitem bayrisch ihm, weil er sich bewegt und ueber die beine streicht und auf die arme hat. sandflies! der typ wird fast gefressen, sie schneidet ihm ein loch in die frisur, weil er sich staendig bewegt. er weigert sich aber standhaft, antibrumm einzuschmieren. ich kann mich fast wegschuetten ab der situation.

spaeter kochen wir gemuetlich am tisch. der radfahrer macht was interessantes mit peanutbutter, ich koche polenta. dazu gestossen sind noch mathias und isabel aus deutschland. sie waren zwei monate wandern. bus fahren sei mit der mehrfahrtenkarte sehr guenstig, allerdings haetten sie ein vermoegen fuer shuttles und watertaxis ausgegeben. jetzt haben sie ein auto gemietet und geniessen es sichtlich, mehr esswaren mitbringen zu koennen. sie bieten den armen velofahrenden wein an, den diese dankend annehmen.

nach einem spaziergang durch den busch setze ich mich mit meinem ebook an den tisch. der velofahrer auch. now it’s time for a read, ey, sagt er und ich stimme ihm zu. er wird zugaenglicher und erzaehlt ein bisschen. wir unterhalten uns ueber aeltere und juengere kinder, welche es einfacher haben. ploetzlich fragt er mich, ob ich den gesang der voegel in neuseeland moege. ich sage ja, im prinzip schon. einige klaengen allerdings schon sehr fantasievoll. ich mache meinen lieblingsvogel nach, er muss lachen.

mein vorzelt ist voller sandflies. ich oeffne das innenzelt nur wenig unten und robbe durch die enge oeffnung. ungefaehr fuenf sandflies haben es trotzdem geschafft. aber ich finde sie alle. dann ist einigermassen ruhe. allerdings machen die anderen sandflies einen laerm, dass ich denke, es regne. einige laut philosophierende leute setzen sich an den tisch und stoeren mein einschlafen. dafuer sind die sandflies aber gut: die leute sind bald vertrieben und ich habe ruhe.

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