fox glacier und moraenenwald

nun ja, ruhetag kann man dem heute nicht wirklich sagen. zwar begann es ganz passabel, mit ausschlafen und lesen im zelt. dass ich nicht von der hitze hinausgetrieben wurde, machte mir etwas sorgen. und tatsaechlich, das wetter ist unentschieden, bedeckt, aber mit tendenz zum feuchtwarm werden. beim fruehstueck ueberlege ich mir, was ich machen will: erstens, gletscher anschauen. zweitens, regenwald.

die frau vom camping hat mir gestern schon gesagt, es gebe einen fahrradweg vom dorf zum gletscher. ueber die haengebruecke kann ich den fox river ueberqueren und gelange damit auf die glacier view road, von der ein kleiner wanderweg abzweigt, moraine walk 30 min. dazu gibt es prospekte, nicht ganz kostenlos, die baeume erklaeren. ich kaufe mir zwei solcher broschueren, einmal ueber den rata wald und einmal ueber den kamahi wald. diese faltblaetter sind gut gemacht.

der veloweg ist wirklich wunderbar. mir zieht es vor lauter freude die mundwinkel hoch. genug breit, damit zwei velos kreuzen koennen, aber es ist wenig los. auf den ganzen 4 km treffe ich nur einen wanderer. ich fahre mitten durch den urwald. baumfarne und all die anderen urwaldbaeume, schlingpflanzen, sattes gruenes licht, herrlich. die letzten paar hundert meter stosse ich das surly, der gravel ist muehsam und an einem ruhetag muss ich mir das nicht antun.

der wunderbare veloweg von fox glacier village zum gletscher

der wunderbare veloweg von fox glacier village zum gletscher

der aufstieg zum gletscher-aussichtspunkt dauert ungefaehr 20 minuten. das surly muss zurueckbleiben, der weg ist aber auch nicht surly-tauglich. allerdings ist er aber auch nicht ballerina-, flipflop- und mokassin-tauglich – die leute tuns trotzdem. da frag ich mich manchmal echt, was die sich denken. nur weil man hier alleine hinkann und keine fuehrung buchen muss (bei der man garantiert feste schuhe anziehen muesste), denken sie, sie koennen raufschlappen. rollstuhlgaengig ist es nie, aber anfangs ein netter spazierweg, veraendert er sich aber dann zu einem stotzigen aufstieg mit losem geroell und kiesigem untergrund. fuer einige aeltere leute bedeutet das verschnaufpausen alle 20 meter, obwohl man mitten in diesem geroellfeld nicht stehenbleiben sollte. no stopping, steht ueberall am rand.

oben bin ich etwas enttaeuscht. der fox und der franz josef gletscher sind mitunter die einzigen gletscher der welt, die in den regenwald runtergehen. aber die naehere umgebung des gletschers, also des effektiven eises, ist grau, geroellig, steinig, vegetationslos. so wie man das kennt. wahrscheinlich ist er frueher in den regenwald runtergeflossen, aber das ist jetzt auch vorbei und zurueck bleiben geroellige moraenen. es ist trotzdem immer wieder eindruecklich, die grossen spalten zu sehen, die beim weiterfliessen entstehen.

fox glacier

fox glacier

eindruecklich, nicht wahr? aber geh nicht naeher ran, sagt der papp-ranger

eindruecklich, nicht wahr? aber geh nicht naeher ran, sagt der papp-ranger

mich zieht es bald wieder hinunter. die flipflop- und mokassin-fraktion hat beim runtergehen mehr muehe als beim raufgehen. beim eingang steht zwar, was man mitnehmen sollte (sonnenschutz, regenjacke, gute schuhe), aber wer liest das schon. ein durchgestrichener flipflop waere wohl wirksamer. unten setze ich mich neben das wartende surly und esse etwas. dabei werde ich beaeugt. das kenne ich ja langsam. neulich wurde ich uebrigens fotografiert, am lake hawea. ich fuhr gerade zum aussichtspunkt heran, um das surly hinzustellen, da fotografiert mich doch tatsaechlich ein asiate mit grossem tele. ich weiss, dass roman und martina das in suedamerika passiert ist, aber hier haette ich das nicht erwartet. yeah, ein kea gesehen und ein pukeko und eine radlerin, davon solls doch in neuseeland so viele geben. die sind aber nicht endemisch. ausserdem meist nicht aus australien, sondern eher aus europa zugewandert. also eigentlich sind es eher zugvoegel.

ich gehe ueber den schotter zurueck und dann ueber die historische haengebruecke. die frau vom camping hat mir versichert, dass ich mit dem velo diesen weg gehen duerfe, aber schieben. und es habe einige stufen, hat sie mich gewarnt. naja, darunter verstehe ich nicht mehr als zehn und keine dreissigmeter lange treppe mit teilweise kniehohen stufen. also, surly geschultert und hoch. zwei leute kommen mir entgegen und sehen mich etwas erstaunt an. ja, ich will ja nur zur anderen strasse. leider dauert es laenger, der weg windet sich durch den urwald, was allerdings sehr schoen ist. dabei komme ich auch am glacier view point vorbei. so habe ich mir das vorgestellt, aus dem regenwald auf den gletscher schauen.

glacier view point: hier hat man echt das gefuehl, der gletscher komme in den regenwald runter

glacier view point: hier hat man echt das gefuehl, der gletscher komme in den regenwald runter

ich finde die andere strasse und auch den parkplatz, aber vom moraenenwanderweg ist nichts zu sehen. ich fahre also etwas runter und suche ihn. nichts. ploetzlich bin ich auf dem sh6 und habe keinen moraenenwanderweg entdeckt. ich bin so richtig enttaeuscht. irgendwie war der gletscher heute die nebensache, vor allem, weil ich mir das anders vorgestellt hatte. ich beschliesse aber, einen zweiten versuch zu machen und schiebe das surly wieder hoch. ein kleines schild finde ich dann, nicht da, wo es auf der karte eingezeichnet ist, aber das ist nebensache. surly abgeschlossen und ab in den urwald.

die broschueren fuehren einen von baum zu baum. natuerlich nicht zu jedem, aber zu diversen exemplaren, an denen sich was zeigen laesst. der gletscher war frueher hier und die waelder sind deshalb recht jung. zwei zeitpunkte, 1600 und 1750 nach christus sind angegeben. hauptsaechlich geht es um den rata (metrosiderous fulgens) und um den kamahi (weinmannia racemosa) baum. beiden gemeinsam ist, dass sie sich im 40cm tiefen boden gut verankern muessen, da sie relativ hoch sind. dafuer machen sie adventivwurzeln (luftwurzeln), der kamahi schmiegt seine eher nahe an den stamm, so dass es aussieht, als wuechsen schlingpflanzen darum herum. die luftwurzeln des rata gehen direkt auf den boden. manchmal sieht es aus, als bestuende der baum aus mehreren staemmen.

kamahibaum: was aussieht wie schlingpflanzen sind wurzeln, die der baum macht, um sich besser zu verankern

kamahibaum: was aussieht wie schlingpflanzen sind wurzeln, die der baum macht, um sich besser zu verankern

rata: die luftwurzeln ermoeglichen dem baum, mehr naehrstoffe aufzunehmen, verbessern aber auch die stabilitaet; der boden ist naemlich nur etwa 40 cm tief

rata: die luftwurzeln ermoeglichen dem baum, mehr naehrstoffe aufzunehmen, verbessern aber auch die stabilitaet; der boden ist naemlich nur etwa 40 cm tief

juengerer bestand, weniger moos

juengerer bestand, weniger moos

so sieht der wanderweg aus. insgesamt wirkt er etwas vernachlaessigt, manchmal muss man sich unter baeumen hinwegducken, der weg ist teilweise mit moos bewachsen. ich weiss nicht, wie viele menschen den weg jaehrlich gehen. das schild ist naemlich auch am ende des weges angebracht, die broschuere muss man also eigentlich hinten anfangen. das ist etwas unguenstig.

der kamahibaum ist umgefallen, aber auf einen baumfarn gestuerzt (ganz reichts). sodann hat er viele wurzeln gemacht, die ihn stuetzen.

der kamahibaum ist umgefallen, aber auf einen baumfarn gestuerzt (ganz reichts). sodann hat er viele wurzeln gemacht, die ihn stuetzen.

ein kamahibaum ist umgefallen, konnte sich aber an einem baumfarn festhalten, weil er mit einer astgabel in diesen gefallen ist (ganz rechts, leider liegt noch ein weiterer baumfarn mittlerweile dazwischen). ganz links sieht man, wie der baum neue wurzeln gemacht hat, um zu verhindern, dass der baum hier bricht. und in der mitte sind wurzeln entlang dem stamm eines baumfarns in den boden gewachsen. der effektive stamm macht jetzt einen 90 grad winkel, um weiterhin gegen oben zu wachsen und am sonnenlicht teilzuhaben.

so sehen die luftwurzeln aus, wenn sie runterwachsen, ein buendel von wurzeln, das sich im boden verankert

so sehen die luftwurzeln aus, wenn sie runterwachsen, ein buendel von wurzeln, das sich im boden verankert

straenge von luftwurzeln haengen von ratabaeumen, bueschel aus duennen, holzigen wurzeln, die bis zum boden wachsen und sich dort verankern. anschliessend verdicken sie und wachsen wohl auch ein wenig zusammen. bis es aussieht, als sei es ein neuer stamm, der mit dem alten verwachsen ist.

das sind die dicksten luftwurzeln, die ich gesehen habe

das sind die dicksten luftwurzeln, die ich gesehen habe

die dicksten luftwurzeln, die ich in dem wald gesehen habe, haben einen durchmesser von mehr als 30 cm. das ist sehr eindruecklich.

superschoener wanderweg durch dick mit moos bewachsene baeume (aelterer bestand)

superschoener wanderweg durch dick mit moos bewachsene baeume (aelterer bestand)

der aeltere und der juengere bestand sind nicht immer gleich gut zu erkennen. deutlich aber ist, dass im aelteren bestand das moos viel dicker ist und es ueberhaupt viel mehr moos hat. ausserdem sind im juengeren bestand die meisten baeume gleich alt. das ist ja eigentlich im regenwald selten, weil staendig alte baeume sterben und junge darauf weiterwachsen. hier hat das damit zu tun, dass sich der gletscher zurueckgezogen hat. auf dem moraenenboden fing dann die besiedlung an, erstens mit steinflechten, dann buesche und langsam ist ueberhaupt boden entstanden, auf dem nach 1900 endlich baeume wachsen konnten. daher sind die baeume alle ungefaehr gleich alt.

auf dem umgestuerzten ratabaum wachsen neue baeume: vlnr: kamahi, miro, kamahi und broadleaf

auf dem umgestuerzten ratabaum wachsen neue baeume: vlnr: kamahi, miro, kamahi und broadleaf

so siehts in der broschuere aus

so siehts in der broschuere aus

dieses sterben und neuwachsen ist sehr nahe beieinander. to nurse heisst ja pflegen, aber nursery ist auch die baumschule. auf einem „nurse log“ wachsen junge baeume. ein ratabaum ist umgefallen und winzige saemlinge sind darauf gewachsen. mittlerweile sind es handfeste baeume mit einem durchmesser von mehr als 50 cm. schaetzungsweise seien sie 40-60 jahre alt, sagt die broschuere. ebenso sagt sie, dass rata zu den haertesten hoelzern in neuseeland gehoert. den baum mit der axt zu schlagen, sei wie stahl. auch nach mehreren dutzend jahren ist das holz noch beinhart, waehrend andere baeume in dieser zeit laengst verrottet waeren.

ich bin sehr froh, dass ich den weg noch gefunden habe. diese waelder sind hier etwas vom absoluten highlight. danach gehts zurueck ins dorf, kaffee trinken, einkaufen und dann auf dem campingplatz bloggen, handies aufladen, lesen. morgen gehts zum franz josef glacier und weiter.

 

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