fox glacier – lake mapourika

in der nacht hat es geregnet. als ich aufwachte, hörte ich gerade einen helikopter vom nahen landeplatz starten. daran musste ich mich gestern in der umgebung des gletschers gewöhnen. ständig die helis. wenn man in den schweizer alpen einen heli hört, ist das meist kein gutes zeichen. und hier in dieser alpin anmutenden umgebung flogen sie alle zehn minuten.

das wetter ist feuchtwarm, passend zum regenwald, durch den ich fahre. zwei sättel mit einer höhe von je 400m gilt es auf den gut 20 km bis zum franz josef glacier zu überqueren.
die anstiege sind mässig, gut fahrbar. aber aufgrund des feuchtwarmen wetters rinnt des schweiss in strömen. bald beginnt es zu regnen. ich schaue den himmel an, schätze den regen ab. langsam hab ich übung darin zu entscheiden, ob das was ernstes ist oder nicht. es ist nicht ernst. ich ziehe dem rucksack den regenschutz über und fahre kurzärmlig und -hosig weiter.
so hochfahren hat auch etwas zufriedenstellendes. man arbeitet beständig auf ein ziel hin. es ist viel besser zu verkraften als ein stück weg im gegenwind, bei dem die anstrengung vergleichbar ist.
die abfahrten sind relativ steil und teilweise mit unangekündigten bovistop, das ist etwas unangenehm.
nach dem zweiten sattel bin ich wiederum einigermassen trocken, als es 1 km vor franz josef wieder zu regnen anfängt. ich schimpfe, werde aber trotzdem nass. schnell halte ich bei der isite an, dem tourist info. im unterstand ziehe ich was trockenes an und erkundige mich nach den nächsten campingplätzen. es scheint bis auf weiteres alles doc-campings zu haben.
ausserdem liegt die wetterprognose der nächsten tage auf. heute ständig schauer mit regen am abend. morgen und nachfolgende tage ähnlich. aussitzen ist also keine option. in franz josef könnte ich mich nämlich mit hot pools und cafes einen tag vertörlen.
also weiter. trinke cafe und kaufe ein. zum einpacken wieder zum isite zurück. die bänke sind praktisch, der unterstand auch und es gibt klos. an mir wackelt eine gruppe touris vorüber, alle in blauen jacken, schwarzen hosen und schneestiefeln, bereit für den gletscher.

und dann verlasse ich die touristenhochburg. die nächsten zwei tage gibt es keine ortschaften. wohl motels im nirgendwo, aber keine einkaufsmöglichkeiten. es geht mehrheitlich leicht abwärts. auf einer weide sehe ich einige pukekos, endlich. die grossen blauen vögel mit den roten schnäbeln sah ich schon so oft irgendwo abgebildet.
ideal wäre, wenn ich das zelt in einer regenpause aufstellen könnte. doc-campings gibt es in 13 km und in 77 km distanz. beides etwas doof. ich beschliesse, mir den ersten anzuschauen. er liegt am ende des lake mapourika und heisst ottos/macdonalds. ich finde diese namenskombination lustig. es gibt zwei campingmöglichkeiten und beim auskundschaften verhakt sich die trinkflasche im schutzblech, reisst es aus der verankerung und die schutzblechstreben schieben sich in die speichen. ich halte abrupt an. den speichen ist nix passiert, aber das schutzblech muss ich wieder hinbiegen.
damit ist entschieden, dass ich hierbleibe. ich bin ohnehin etwas spät dran für noch 60 km und die reparatur nimmt auch zeit. also zelt aufstellen, der regen meldet sich nämlich schon wieder zurück. sofort wird das vorzelt von sandflies bevölkert. mich lassen sie einigermassen in ruhe, dank dem gift.

zelten am lake mapourika

zelten am lake mapourika

ich repariere das schutzblech mit kabelbindern. ich kann es zu wenig korrekt zurückbiegen, dass es wieder in die halterung passen würde. anschliessend esse ich etwas, aber die sandflies sind echt mühsam. ich beschliesse, schwimmen zu gehen. dieser zeltplatz hat ja keine dusche. schwimmen gehen ist bei dieser sandfliesplage eine logistische herausforderung. aber im wasser werde ich in ruhe gelassen. der see liegt wie gegossenes blei zwischen den bewaldeten hügeln. der kiesstrand hat verschiedene abteile und in einem glucken ein paar enten. schwimmen ist schön. das wasser angenehm, aber noch kühlend. der grund fällt steil ab und ich muss nicht weit raus, um ihn zu verlieren.
dann raus, kurz abtrocknen und hastig was langes anziehen. zügig mit wechselwäsche ins klo, das einigermassen asyl bietet vor den sandflies. den nachmittag werde ich im innenzelt verbringen, die viecher treiben mich sonst zur weissglut. durch den wenig geöffneten reissverschluss stopfe ich alles ins innenzelt, was ich brauchen könnte. handy und buch, essen und trinken, schlafsack, kissen und kleider. und anti-juck-salbe für die neuesten stiche.
ich zelte direkt am busch, ein bellbird quakt, draussen machen die sandflies lärm, die gegen die aussenzeltwand stossen. den geräuschen nach scheint sich der zeltplatz langsam zu füllen.

strand vom zeltplatz lake mapourika

strand vom zeltplatz lake mapourika

zelten am lake mapourika, im hintergrund das toilettenhaus und die caravanplaetze

zelten am lake mapourika, im hintergrund das toilettenhaus und die caravanplaetze

zum abendessen richte ich mich im unterstand über zwei lavabos ein. es regnet, ein paar stellt hastig ein zelt auf und ich löffle meine polenta mit tomaten und champignons, umschwärmt von sandflies. das paar schleppt jetzt schaumstoffmatratzen und bettzeug aus dem auto. irgendwie geht duvet und zelt für mich nicht zusammen. aber die zwei aus belgien in knob’s flat haben mich ja auch gefragt, ob ich wolldecke und leintuch dabei habe. nein, schlafsack, sagte ich. aber ist der warm genug? sie zweifeln. naja, kann mich bis jetzt nicht beklagen. ausser dass er zuviel platz braucht. dann erzählte ich ihnen von der petflasche mit heissem wasser, was sie ja dann sogleich ausprobierten.

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nach dem abendessen weiss ich nicht so recht, was tun. schon ins zelt um sieben? draussen mit den sandflies bleiben? ich beschliesse, nochmal den kurzen weg durch den wald zum anderen camping zu nehmen. und wer steht da? das paar mit den touring-trikes. der typ aus auckland und auch karen, die ich gestern in fox glacier kennengelernt habe, hatten sie erwähnt. ich wollte sie unbedingt treffen und ihnen ein paar fragen stellen. stefanie und ich haben letztes jahr zufällig einmal trikes ausprobiert und sie hat sich in die dinger verliebt. meine bedingung war, sie müssen tourenfähig sein. und hier war die gelegenheit, alles zu fragen! sie übernachten heute offenbar auch hier.

die frau sagt, stotzig fahren gehe recht gut. sie fahren mit klickschuhen, das mache viel aus. und aufgrund der drei räder müssen sie nicht das gleichgewicht halten. daher können sie langsamer fahren als mit einem zweirad und müssen nur selten schieben. wenn doch, schieben sie am sitz. gravel sei nicht so toll, aber soweit gehe es mit den erschütterungen. was sie nicht bedacht hätten sei, dass ihre regenjacken dem wasser von oben nicht standhalten. regen fällt normalerweise auf die schultern. bei ihnen eher auf oberkörper und bauch und die reissverschlüsse lassen wasser rein.
sie haben faltbare versionen, die man in der mitte knicken kann. das sei von vorteil beim verladen zum fliegen. 23 kg schwer sind die trikes und kostenpunkt etwas über 2000 euro. sie haben nicht die standardversion, eben faltbar, mit scheibenbremsen und mit vorrichtungen für die taschen. für die 20-zollräder haben sie schläuche und pneus dabei. in australien und neuseeland sei es zwar vielleicht möglich, passendes material zu erhalten, in asien aber kaum.
gepäck haben sie gleichviel wie ich, zwei kleine und zwei grosse taschen und eine weitere zwischendrin. sie haben im september in thailand angefangen, sind dort drei monate gefahren, dann ein monat in australien und jetzt hier. anschliessend geht es für sechs monate nach südamerika. es ist ihre erste tour mit dem trike und vorher haben sie keine velotouren gemacht. ausser drei wochen von lyon, wo sie wohnen, nach italien.
sie machen zwischen 70 und 100 km am tag. die sichtbarkeit gewährleisten sie mit fähnchen, wie die velos mit anhängern. sie sagt, die autos geben ihnen genügend raum, vielleicht auch, weil diese velos so ungewohnt sind. sie haben übrigens die tschechische marke.
mit den trikes sei man nicht ganz so flexibel, wie man es mit zwei rädern sei, ob liegevelo oder nicht. man sei auf genügend breite wege angewiesen. als sie jedoch den schmalen waldweg vor mir entlangfährt, denke ich, geht ja gut. viel schmaler find ich es auch nicht mehr so toll.

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bild: ich durfte eine runde drehen. gravel war nicht so toll. aber ist vermutlich auch eine frage der gewöhnung.

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