hokitika – greymouth

es hat keiner geschnarcht, sehr angenehm. nach einem schnellen frühstück suche ich mir einen laden, der pounamu, auch greenstone oder neuseeland-jade genannt, verkauft. davon gibt es viele in hokitika, aber ich will was kleineres. am rand des dorfzentrums, in einer strasse mit einem geschlossenen cafe, werde ich fündig. in einem grossen raum sind verschiedene vitrinen aufgestellt. in der mitte ein haufen rohmaterial, stücke wie speck aus dem schwarzwald, mit einer unspektakulären schwarte und innen einem satten dunklen grünton. ich streife um die vitrinen, eine runde platte mit einem kringel auf einer seite hats mir angetan. aber ich habe das gefühl, mich zu wenig mit dem stein, den formen und der kultur auseinandergesetzt zu haben, um mich zu entscheiden. ich frage die frau hinter der theke, wie man entscheidet. persönliche vorliebe, sagt sie. die farbe des steins sei kein qualitätsmerkmal, der dunklere stein enthalte aber mehr eisen und sei daher schwieriger zu bearbeiten und darum teurer. sie gibt mir eine karte, auf der die häufigsten symbole kurz erklärt sind. der fischhaken, die spirale, die gekreuzten oder verdrehten formen, die tiki figur, die waffenähnlichen formen und die kreise und runden platten. ausserdem, fügt sie noch hinzu, sage man, plötzlich sei klar, wofür man sich entscheiden werde. hm, denke ich und gehe zu der form zurück, die mich am anfang angesprochen hat. der farbton ist etwas zu dunkel für meinen geschmack, aber die form lässt mich nicht los. also bleibt es dabei.

anschliessend erstmal zum kaffee. ich sitze vor einer grossen tasse latte macchiato, als es draussen bindfäden regnet. ich schaue auf die uhr, es ist genau zehn. ich muss lachen, der junge neuseeländer aus meinem zimmer hat nämlich heute morgen gesagt, für zehn uhr sei regen vorhergesagt. um diese zeit wolle er in einem auto sitzen (er stöppelt). und ich in einem cafe, dachte ich da.

simon heisst der neuseeländer. er hat gestern einige unterhaltsame dinge erzählt. eben fertig mit dem ekektrotechnikstudium ist das kraftwerk in manapouri sein lieblingswasserkraftwerk. ich konnte etwas mitreden, weil die unterhaltsame busfahrerin auf dem doubtful sound trip einiges darüber erzählt hat. zwei andere zimmerbewohner waren deutsche jungs, gerade fertig mit dem abitur. mathias und isabel, das deutsche paar vom zeltplatz am lake paringa, hat mir erzählt, die backpackers sollen voll von ihnen. ein blick in den aufenthaltsraum des backpackers verdeutlichte, warum ich diesen unterkünften meist aus dem weg gehe. jugendliche lümmeln sich mit ihren elektronischen spielzeugen auf den sofas, und zwar bereits bei meiner ankunft um drei und abends, nach meiner rückkehr um neun vom pub, immer noch. nur die anzahl aufgestapelter müeslischalen hat zugenommen. ich frage mich, was die jugendlichen hier tun. und ich frage mich, ob ich alt werde.

nach dem kaffee besuche ich das nationale kiwizentrum. der name dürfte etwas überholt sein, da es vor allem ein aquarium ist und nebenbei eine handvoll kiwis beherbergt. möglicherweise sind sie aber stark im schutz aktiv. ich komme gerade rechtzeitig zum aale füttern. die sind zwischen einem und zwei meter lang und unterschenkeldick. zusammen mit zwei besuchern lege ich mich auf eine holzplattform dreissig zentimeter über der wasseroberfläche. alle erhalten eine kleine schüssel mit ochsenherz und eine spaghettigreife. die aale tauchen den kopf aus dem wasser und sperren die münder auf. es ist wie hundegutzifüttern in zeitlupe. man darf die tiere auch anfassen, allerdings nur mit nassen händen, um ihre haut nicht zu verletzen. und der kopf ist tabu. die tiere sind ganz weich, samtig, als hätten sie eine zentimeterdicke haut. es ist ein schönes gefühl.
nach einigen fröschen und heuschrecken stoppe ich beim whitebait. junge (die man in whitebait patties isst) und ältere fische der fünf arten schwimmen durcheinander.
und schliesslich zu den kiwis. die scheuen, flugunfähigen und nahezu blinden vögel sind nachtaktiv. ich sehe den vogel schnell, der lange helle schnabel ist im schwachen licht gut zu erkennen. auch er erhält futter, kommt aber nicht zum teller. er hält sich vorwiegend im hintergrund des geheges auf und stochert etwas hastig im boden herum. ich bleibe, als alle anderen schon die geduld verloren haben, aber der kiwi kommt nicht näher.

vier kilometer nach hokitika habe ich den 2000. kilometer hinter mir. die strasse ist topfeben, hat wenig shoulder und entsprechend wird gefahren. ich suche mir einen vorplatz zu einem gatter fürs obligate foto.

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dann geht es mit durchschnittlich 20 kmh voraus. die strasse macht echt keinen spass. nur dass es flott voran geht. bei kumara junction kommen einige höhenmeter dazu. ich fahre auf der spur für langsame fahrzeuge. links sehe ich in den boden hinein, skelettgehalt irgendwie 80 prozent. und kein kies, sondern steine faustgross und grösser. oben 20cm ton und drüber etwas humus.

die neuseeländerlnnen haben ja eine vorliebe für einbahnbrücken. eine seite hat vortritt. der gipfel ist eine einbahnbrücke, die nicht nur vom strassen-, sondern auch vom schienenverkehr genutzt wird! ich habe keinen vortritt, aber drüben kommt niemand. also rauf auf die schmalen, mit asphalt bestrichenen balken. hinter mir fahren zwei autos rein, halten aber abstand. mitten auf der brücke denke ich, und wie merkt man, ob ein zug kommt?

der gipfel der neuseelaendischen vorliebe fuer einbahnbruecken: inkl. zug!

der gipfel der neuseelaendischen vorliebe fuer einbahnbruecken: inkl. zug!

bald nach der brücke kann ich von der strasse weg auf den westcoast wilderness trail. der gravel war gut zu fahren. hier haben sie mal wieder gespür für tolle velowege bewiesen. durch den baumfarnwald und durch buschlandschaften mit flax und dot blühenden blumen, anschliessend dem meer entlang. immer wieder gibt es strandzugänge, die den veloweg kreuzen. die werden jeweils mit herzigen vortrittsschildern in miniaturform angekündigt.

manchmal haben sie hier echt das gespuer fuer tolle radwege (westcoast wilderness trail)

manchmal haben sie hier echt das gespuer fuer tolle radwege (westcoast wilderness trail)

westcoast wilderness trail kurz vor greymouth

westcoast wilderness trail kurz vor greymouth

8 km vor etappenende einen riegel einschieben

8 km vor etappenende einen riegel einschieben

ich frage mich, wann greymouth kommt. auf dem veloweg fahre ich garantiert vorbei. so ist es auch. unvermittelt stehe ich an der hafeneinfahrt. eigentlich eine flussmündung. graue, schmutzig aussehende wogen rollen an den strand. möwen lassen sich über der hafenmole treiben. ein grosser stein gedenkt den männern, die im meer gestorben sind.

graue wellen in greymouth

graue wellen in greymouth

am leuchtturm in greymouth

am leuchtturm in greymouth

ich bin auf einmal froh, dass ich alleine hier angekommen bin und die anderen gestern habe ziehen lassen. es waere lustiger, unterhaltsamer gewesen, aber ich bin in nachdenklicher stimmung. habe das gefuehl, etwas gehe zu ende. naja, vielleicht die fahrt entlang der westkueste, mehr nicht. in den naechsten ein bis zwei wochen die fahrt auf der suedinsel, aber ansonsten ist ja erst gerade halbzeit gewesen. ich habe noch nie so intensiv eine reise geplant wie diese hier. bin auf google maps die strassen abgefahren, habe fotos angeschaut, staedte gegoogelt. und jetzt ploetzlich hier zu sein, die orte ihre namen mit bildern fuellen lassen, das ist eindruecklich.

im isite buche ich für mich und das surly eine fahrt mit dem tranzalpine zug auf den arthur’s pass (es gibt übrigens auch eine hans bay). ticketpreise wie in der schweiz. ich rufe kurz judith in christchurch an, damit sie weiss, dass ich am donnerstag zu ihnen komme. wir haben in sheffield abgemacht. anschliessend camping suchen, direkt am veloweg.

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