greymouth – arthur’s pass (zug) – craigieburn forest park

greymouth begrüsst mich mit einem grauen morgen. ein kurzer schauer nässt mein zelt, dann bleibt es einigermassen trocken.
ohne frühstück fahr ich zum tourist office am bahnhof. eigentlich will ich nur gepäck und velo einstellen, aber ich kann gleich einchecken. erhalte also meinen boarding pass, die saccochen verpacke ich in der zeltplachen-tasche, der rucksack gilt als einzelgepäck. alles kriegt grüne etiketten und ich die abrisse davon.
ziemlich unterzuckert steige ich beim ersten cafe ab und bestelle ein grosses frühstück: rührei, ham, würstli, pilz, tomate, rösti und buttertoast. und cafe latte. ich hab festgestellt, dass obwohl scones und co. hier gut sind, ist es der tee nicht unbedingt.
dann geht es an die planung der nordinsel. während mir vom frühstück langsam übel wird, nimmt die route auf der nordinsel gestalt an.
von christchurch über picton (zug) gehe ich direkt nach wellington (fähre). kein inlandfährtli mehr und kein abel tasman nationalpark. man sagt schnell, das mache ich beim nächsten mal. das habe ich zu vermeiden versucht. sonst lasse ich plötzlich zuviel aus. ich muss mit den entscheidungen jetzt zufrieden sein. aber ich weiss eh nicht, ob die einsamen, hellen sandstrände mit palmen und türkisem wasser der golden bay (abel tasman) ein tolles ausflugsziel als alleinreisende sind…

item. von wellington nach nationalpark fahren, die zugstation beim tongariro nationalpark. dann über taupo und rotorua nach coromandel village radeln. als ruhetag ist ein busausflug in die art deco stadt napier geplant. von coromandel aus mit der fähre nach auckland und am nächsten tag mit dem bus nach whangarei. von dort aus ans cape reinga radeln (ostküste) und auf der westküste runter, anschliessend an die ostküste wechseln bis davenport. dort bleibe ich die letzten tage bis zum abflug. es ist mir wichtig, an meinen letzten aufenthaltsort radeln zu können. ich will velo-, nicht zug- oder busfahrend abschliessen.

nach einer stunde ist klar: ich brauche einen pc mit internet. im zeitalter von smartphone und tablet ist das nicht ganz einfach. in einem videoverleih werde ich fündig. im gang, der zu den „erwachsenenvideos“ führt, stehen drei computer. die benutzung ist dreimal günstiger als auf den campings. strecken messen, bus-, fähren- und zugfahrpläne rausschreiben. buchen tue ich später, es scheint nämlich, dass „meine“ kiwis mich mehr als nur eine nacht behalten möchten…

der „greymouth star“ wird taeglich gedruckt und die druckmaschinen befinden sich hinter glas, man kann zuschauen! leider verpasse ich die produktionszeiten…

schade, dass ich die produktionszeit verpasst habe

schade, dass ich die produktionszeit verpasst habe

druckerei des greymouth star, in einem glashaus

druckerei des greymouth star, in einem glashaus

am bahnhof fährt der tranzalpine zug ein. touristen entströmen den wagen, gehen zum gepäckwagen, nehmen unmengen von koffern, taschen und rucksäcken in empfang. mir scheint, viele leute nehmen hier viel zu viel mit. und dann beginnt es mal wieder so richtig zu schütten.

tranzalpine zug am bahnhof greymouth

tranzalpine zug am bahnhof greymouth

der zug fährt mit 40min verspätung ab. mein gepäck und das surly werden zuletzt verladen, weil ich als einzige person am arthur’s pass aussteige. im zug gibt es sicherheitsdurchsagen und einen audiokommentar über kopfhörer. wir fahren dem grey river entlang, wasser rinnt an den scheiben herunter. in stillwater biegen wir ab, fahren durch wald und flax. ich hoffe, dass es dem surly gut geht im gepäckabteil. die strasse verläuft zu weiten teilen entlang der strasse und ist relativ eben.
am lake brunner wird werbung für forellen fischen gemacht. mir fällt ein, dass laura auf der wanderung erzählt hat, dass forellen und lachs in beträchtlicher zahl in natürliche gewässer eingebracht wurden. heute wisse man aber, dass das keine gute idee war. darum nenne sie es pest control, wenn sie fischen gehe.
der arnold river, der vom lake brunner in den grey river führt, ist breit und fliesst gemächlich dahin. alter schöner wald säumt ihn. mit dem kanu müsste das eindrücklich sein. amazonas ohne krokodile!

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wir überqueren ein breites kiesiges flussbett, der fluss ist nur ein rinnsal im moment. diese breiten flussbetten sind wohl der günstigste und effizienteste hochwasserschutz. platz gibt es ja hier genug.
auf weiden blüht gelb das jakobskreuzkraut, dazwischen ist alles abgefressen. der zug holpert und rumpelt. das wetter ist noch immer grau und weiter entfernte hügel und bäume werden zu schwarzen schatten.

fotowagen des tranzalpine

fotowagen des tranzalpine

der hinterste zugwaggon ist zu beiden seiten offen. es zieht und regen spritzt mir ins gesicht. für den otira-tunnel wird dieser waggon gesperrt. es gibt eine erneute sicherheitsdurchsage, man solle während des 8,5 km langen tunnels nicht unnötig herumlaufen (wc ist ok) und der speisewagen sei geschlossen. herzig. und dann kommen wir aus dem tunnel und fahren in den bahnhof von arthur’s pass village, 737m über meer, ein. nur der strassenverkehr geht über die gut 200 m höher liegende passhöhe.
eine frau reicht mir mein gepäck und das surly aus dem zug. wie ich das alles transportieren wolle, fragt sie. ich deute auf die grosse schwarze tasche und sage, da sind saccochen drin. sie kann sich das offenbar nicht vorstellen und schaut zu, wie ich das surly belade.

bahnhof arthur's pass village

bahnhof arthur’s pass village

der zug fährt weiter. es ist kalt. ich beschliesse, ein backpackers zu nehmen. der doc-camping liegt gerade an der strasse. aber irgendwie bin ich unzufrieden. der mann in der jugi akzeptiert meinen ausweis nicht (so eine art stempelkarte). im gespräch sagt er, weiter entfernt liegende doc-campings seien besser und sowieso höre der regen auf, sobald ich in richtung ostküste fahre. ich beschliesse kurzerhand, weiterzufahren. aber nicht ohne cafe latte und rüeblitorte. das surly parkiere ich vor dem fenster und sehe vom sofa aus zu, wie der himmel langsam blau wird.

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anschliessend los. kaum aus dem dorf raus, steht auf einem schild „christchurch 153km“. ups, denke ich. ich habe weder profil noch strecke genau angeschaut. ich fahre zwar nicht ganz bis christchurch, aber ich habe mit judith um vier in sheffield abgemacht. das sind vermutlich so 100 km. also fahre ich drauflos.
es ist herrlich! zuerst durch beech wälder, dann entlang eines breiten talbodens, der von einem in seinem kiesbett mäandernden fluss geprägt wird. das wetter ist herrlich, auch wenn es recht zieht. bewaldete hügel. in meinem rücken die verschneiten gipfel der alpenkette. ich bin so zufrieden! dass ich hier bin, dass ich diese strecke fahre, dass ich nicht im backpackers bin. links grasen merinoschafe, darunter einige wollige böcke mit eindrucksvollen hörnern. es ist später nachmittag und die flüsse sind gleissend hell im schrägen sonnenlicht. die strasse geht rauf und runter. teilweise folgt sie nicht der talebene, sondern klettert an der flanke hoch. seen liegen in sichtweite. langsam sinkt die sonne, ich fahre viel im schatten. gelbes gras der weide. arthur’s pass ist nicht nur die wetterscheide, sondern auch was die niederschlagsmengen angeht. von den regenwäldern und dem regen an der westküste geht es nun in die trockenen gebiete des ostküste. vierzig kilometer wären ideal, denke ich. ich finde die auf meiner karte markierten doc-campings nicht, beschliesse aber, im zweifelsfall wild zu zelten. selten einmal habe ich kurz rückenwind und muss einen gang zurückschalten, um nicht vom velo zu fallen. herrlich ist rückenwind!!!

waimakariri-fluss

waimakariri-fluss

vom arthur's pass in richtung ostkueste

vom arthur’s pass in richtung ostkueste

waimakariri-fluss

waimakariri-fluss

in richtung ostkueste

in richtung ostkueste

plötzlich riechts nach feuer und ich denke, welcher idiot traut sich. wegen des buschbrandrisikos sind ja keine offenen feuer erlaubt. als ich um eine kurve fahre sehe ich, dass das feuer schon vorüber ist. der gesamte hang links der strasse ist verbrannt. schwarze büsche und grasbüschel, gefällte bäume. und es geht hoch. teilweise schiebe ich. es ist bereits nach 20 uhr und die 40 km habe ich schon überschritten. ich beschliesse, bei der nächsten abbiegenden strasse einen zeltplatz zu suchen. kaum bin ich abgebogen, sehe ich das schild des doc-campings. na denn, halt nicht wild. drei autos stehen auf dem parkplatz. ich suche mir einen etwas erhöhten platz auf der anderen seite eines kleinen bachs. zelt aufstellen und sofort warm anziehen, die temperatur liegt nämlich bereits unter 10 grad. ich koche mein znacht, rundherum wird es langsam dunkel. autotüren schlagen weiter weg. es ist echt kalt. als ich meinen tee kühlend anblase, steht die atemwolke vor meinem mund. ich mache mir mit bachwasser eine bettflasche und dann ab in den schlafsack.

nach einem buschfeuer

nach einem buschfeuer

craigieburn doc-camping, bei 7 grad abendessen machen

craigieburn doc-camping, bei 7 grad abendessen machen

ich hab warm, trage aber eine zweite schicht und mütze. im halbschlaf fällt mir ein nagendes geräusch auf. nee, eine maus. und eine unerschrockene! sie nagt weiter, während ich mich langsam aus dem schlafsack schäle, vorsichtig den reissverschluss des innenzelts aufmache und schliesslich in die apsis leuchte. ich hole die ess-saccoche ins innenzelt.
später nagt es wieder. also hole ich auch noch das tuttifrutti rein. damit belasse ich es aber. es ist unrealistisch, bei der kälte abends um zehn jeden farmer zu suchen, der irgendwo in einer jackentasche steckt.

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