christchurch (südinsel) – wellington (nordinsel)

susie bringt mich und das surly zum zug. einchecken, gepäck abliefern, verabschieden, einsteigen, abfahren. unglaublich, wie schnell einem so leute ans herz wachsen können.

wir fahren aus christchurch heraus und durch gelbe weiden mit grünen bäumen. am horizont braune plüschige hügel unter hellem blauen himmel. zunehmend weinbau. luzernefelder. schafe rennen vom zug weg. ein verängstigtes rind findet nicht mehr zur herde zurück und drängt sich zwei meter neben dem vorbeifahrenden zug an den zaun. es gäbe schöne strassen zum fahren, mein herz reisst bei ihrem anblick. aber keine geht durch ausser dem hw1.

steine glänzen auf einem feld, das bewässert wird. breite kiesige flussbetten mit schmalen flüsschen, weidegesäumte mäandernde bäche. ich sehne mich nach velofahren, nach der sonne auf meiner haut, dem fahrtwind im gesicht. zwischen eukalyptusbäumen taucht das meer auf.
ab kaikoura ist der scenic coach geöffnet. hier machen sie kein aufhebens wie im tranzalpine und ich fahre im offenen wagen durch den tunnel. wir fahren direkt am meer. (wenn ihr die züge googelt, könnt ihr auf der webseite kurze filme schauen). ich hole mir einen kaffee im restaurant und esse von susies herrlichem bananenkuchen. später mache ich mir ebenso herrliche wraps. kaltes poulet, salat, tomate, käse. alles schön zurechtgemacht. susie hat sogar ein kleines döschen mit mayonnaise und dave’s selbergemachtem senf eingepackt. der ist echt gut. ich rieche nur dran und schon läuft mir das wasser im mund zusammen.
später gehts an weissen und rosaroten salzseen vorbei. und wir sind in picton. ich hole das surly aus dem gepäckwagen, meine tasche mit den saccochen und der rucksack gehen direkt aufs schiff.

eine mittlere bewaesserungsanlage

eine mittlere bewaesserungsanlage

coastal pacific train von christchurch nach picton

coastal pacific train von christchurch nach picton

im scenic coach durch den tunnel

im scenic coach durch den tunnel

herrlich, diese berge

herrlich, diese berge

salzseen, aus dem coastal pacific zug

salzseen, aus dem coastal pacific zug

weinbau im marlborough gebiet

weinbau im marlborough gebiet

ich fahre mit der interislander fähre. sie ist riesig. beim einchecken treffe ich ein paar mit mountainbikes. sie sind aus australien und haben hier eine achttägige tour gemacht. von wellington aus gehts nach hause. wir stossen die bikes neben den autos her in das riesige maul des schiffes.
ich schaue über das heck des schiffes auf die waldigen hügel von picton. denke daran, was sich dahinter alles verbirgt. stelle mir vor, wie ein vogel über picton aufzusteigen und die südinsel zu überblicken. meinen ganzen weg mit einer farbe einzuzeichnen.
die leute haben ihr reisegepäck eingecheckt, schleppen aber immer noch viel auf dem schiff herum. viele leute behaften sich mit so vielen sachen, ich auch. ich will das ändern, will arm an gepäck, aber reich an erfahrung reisen.
ich stelle den velopc zurück. auf der südinsel bin ich 2147 km in 151h57 und mit 21’101 hm gefahren. eine herrliche reise! viele erfahrungen und begegnungen und keine nennenswerten körperlichen beschwerden, keine frustration.

wir schleichen aus dem queen charlotte sound heraus, ein quälend langsamer, fast körperlich schmerzhafter abschied von der südinsel, von sieben prall gefüllten wochen. die gewaltigen hügel wirken unspektakulär und sind es doch nicht, wenn man in diesen wäldern umherspaziert ist.

adieu suedinsel, adieu picton

adieu suedinsel, adieu picton

durch den queen charlotte sound zur nordinsel

durch den queen charlotte sound zur nordinsel

über der nordinsel liegt eine weisse wolke. aotearoa – land der grossen weissen wolke. beim näherkommen ist die landschaft vertraut, gelbes gras, grüne büsche. doch kein anderes land, wie ich bei den gesprächen mit den southislanders manchmal das gefühl hatte.

aotearoa - das land der grossen weissen wolke

aotearoa – das land der grossen weissen wolke

windy wellington begrüsst uns angemessen – beim eintritt in die bucht zieht es enorm. ich helfe einem grosi, das sich entschlossen an den kehrichteimer klammert, die drei meter zu den stühlen zu überwinden. ungefähr 50 kg schwer, erzählt sie mir, sie habe einmal wind erlebt, der sie kurz hochgehoben habe. eine enorm irritierende erfahrung. ich kann mich zwar frei bewegen, habe aber manchmal das gefühl, die böen hinterliessen ein vakuum, das mir die luft aus der lunge sauge.

wellington

wellington

zusammen mit einem mann und seinem beladenen surly stossen das aussiepaar und ich unsere velos als erste über die heruntergeklappte entladefläche, nachdem ich die enormen hydraulikzylinder in der decke über uns bewundert habe. es geht zum baggage claim wie am flughafen. wie immer stehen die leute so dicht ans rollband wie möglich. mein gepäck kommt fast als erstes. die leute machen immerhin platz, da meine tasche ziemlich eindruck macht. ein mädel schaut mir zu, wie ich das surly belade, es geht schnell, ich schiebe das surly aus der vollen halle und fahre in den feierabendverkehr in richtung stadt rein. es ist herrlich, wieder auf dem velo zu sitzen. sobald möglich, biege ich auf die strandpromenade ab. ich bin umgeben von joggenden und velofahrenden leuten, einige nehmen after work drinks, der himmel wird immer grauer.

warten auf das gepaeck

warten auf das gepaeck

ich finde mein guesthouse auf anhieb. ein älterer mann mit langem grauen haar und völlig entstelltem gesicht macht mir auf. er muss einen schlimmen unfall gehabt haben und sein gesicht wurde zusammengeflickt. ah, the cyclist, sagt er etwas mühsam. ich habe das surly angemeldet, damit es einen sicheren platz kriegt. kommen sie gerade mit, sagt john dann und geht über einen niedergang in den keller des hauses. respektive ins erdgeschoss, der erste stock ist auf strassenebene, da wir uns am fuss des mount victoria befinden. das zimmer ist ok, etwas ältlich, die fenster haben tageslicht, schauen aber auf den schmalen durchgang zwischen den häusern hinaus, dort ist auch platz für das surly.

ich räume alles aus, hier wird ausgemistet. dann erstmal mit buch und gedörrten pfirsichen in den sessel.
später kurz raus, etwas zu essen suchen. es regnet ziemlich. unweit des guesthouse komme ich an einem kfc vorbei. neulich hat mir jemand etwas über den gründer erzählt, ich hab vergessen was. wird wohl dave gewesen sein. ich beschliesse, jetzt die erfahrung kfc hinter mich zu bringen. setze mich mit meinem tablett in eine ecke, ausser meinem sind nur zwei tische besetzt. ein paar leute suchen im eingangsbereich schutz vor dem regen. hinter mir schlägt das wasser an die scheibe. typische situation amerikanischer filme. viele wichtige sachen werden dort nachts in quasi leeren diners besprochen. gerade neulich in the bourne identity. bourne und die frau sind aus zürich geflohen und auf dem weg nach paris. sitzen in einem diner. er hat sein gedächtnis verloren und sagt, das könne doch nicht normal sein, dass er alle nummernschilder der autos auf dem parkplatz wisse, die leute im diner bezüglich gewicht eingeschätzt und sich die notausgänge gemerkt habe. ausserdem hat er in zürich ein bankschliessfach mit mehreren farbigen kontaktlinsenpaaren, pässen, viel geld und eine pistole. hm, der hat wohl noch nie einen agentenfilm gesehen.
aber zurück zu kfc. mei, ist das küken lahm. zum glück hab ich das hinter mir. ich mag nicht abwarten, bis der regen weniger wird und gehe durch das nasse wellington zurück zum guesthouse.

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