taupo – murupara

beim zeltabbauen komme ich mit meiner parzellennachbarin ins gespräch, einer interessant aussehenden alten frau. sie ist mir gestern schon aufgefallen, weil sie ein komisches zelt hat und richtiges campinggeschirr abwusch. die meisten haben hier ja zuberweise normales geschirr. ich helfe ihr, einen hartnäckigen häring aus dem boden zu ziehen. sie ist zwar rüstig und geht richtig zu werke, hat aber nur eine hand. sie ist altbäuerin, auf einem betrieb in der nähe von auckland aufgewachsen und hat später mit ihrem mann auf coromandel gebauert. bloody fools, schimpft sie über die heutigen bauern. heute werde einfach nicht mehr nachgedacht. zunehmend wüssten auch die bauern nicht mehr bescheid über die zusammenhänge. und das schlimmste sei, dass sie zum boden nicht mehr sorge trügen, dabei sei doch das ihre hauptsächliche aufgabe. durch das plaudern ist es schon kurz vor zehn uhr und wir müssen uns beeilen. ich helfe ihr mit ihrem zelt. jetzt sehe ich auch, warum es so lustig aussieht, es ist nur ein teil eines grossen hauszeltes. sie arbeitet sich nach wellington vor, will das auto dort lassen, mit der fähre übersetzen und die tranzalpine zugfahrt machen.
ich muss leider nochmal nach taupo reinfahren und sprit kaufen. das ist noch immer das beste backup, couscous oder mais für mehrere tage und sprit. so gibts garantiert was zu futtern. was zur ergänzung findet sich immer.

dann endlich dem backpacker-vollen taupo den rücken kehren. ich fahre am camping vorbei und weiter in richtung rotorua. die strasse ist relativ ruhig, viele rennvelofahrer. mir fällt ein, dass sonntag ist. es ist heiss. an der rennbahn vorbei, auf der einige moderne rennautos ihre runden drehen.

nach taupo, gruenes gras und milchvieh

nach taupo, gruenes gras und milchvieh

doch etwas gruener als auf der suedinsel

doch etwas gruener als auf der suedinsel

die einmündung in den hw5 macht sich sofort bemerkbar. viel schneller verkehr. ich merke, wie ich genervt bin. ständig die hoffnung, die person am steuer konzentriere sich und schreibe keine sms. der schlechte asphalt am strassenrand. die milchtankfahrzeuge. ich studiere erneut an der eigentlich entschiedenen route herum. doch rechts abbiegen oder wirklich nach rotorua? an der abzweigung stehe ich lange herum. warte wohl auf ein zeichen. beschliesse dann, eine moderne münze zu werfen. wenn die uhrzeit auf dem handy gerade ist, gehts geradeaus nach rotorua. es ist 15:47, ich versuche zu ergründen, wie sich die entscheidung anfühlt. fahre in richtung rotorua weiter, mache nach 100m kehrt und biege ab. sofort weniger verkehr. ich weiss aber, dass es noch mindestens 40km sind und ich hab schon über 60km auf der anzeige. ein schild, das davor warnt, dass nach marapuru 95km winding gravel kämen, lässt mich nur sehr kurz zögern. ich fahre durch eine hügelige weidelandschaft mit kälber- und kuhherden. grosse betriebe, die maori gehören, wie auf dem hofschild steht.
anschliessend gehts durch den kaingaroaforest, der grösste nutzwald, wie mir später jemand erklärt. die strasse ist pfeifengerade durch den allerlangweiligsten monotonen nadelholzbestand. nach 20km komme ich zu einer abzweigung und es wird langsam anstrengend, es ist so langweilig. allerdings allemal besser als auf dem highway. ich beschliesse, alle 5km eine kleine pause zu machen. 90km also die erste pause. die 95km lasse ich schon mal aus, weil es gerade gut läuft. und dann geht es sage und schreibe 10km runter! von 560m auf unter 300m. eine tolle überraschung! gleich am dorfeingang ist das motorcamp ausgeschildert. dort ist nicht viel los. ich kriege zwei eier (weil ich fragte, ob ich auch weniger als ein dutzend kaufen könne) und darf gemüse aus dem garten nehmen. auf dem camping ist nichts los. die grosse grasfläche mit einigen bäumen trägt nur mein zelt.

maori operated dairy farm

maori operated dairy farm

durch den kaingaroa wald

durch den kaingaroa wald

obwohl es mit abstand die grösste etappe meiner reise ist, fühle ich mich nicht müder als sonst. einmal ist wohl verschmerzbar. aus dem garten hole ich krautstiel und stangensellerie. letzteres finde ich zwar das allerletzte gemüse, gleich nach rosenkohl, aber sonst war leider nichts reif. jedenfalls gabs eine ganz passable omelette zum couscous.

beim kochen taucht ein grosser mann in der küche auf, das lange gelockte blonde haar mit einem rosa gummi zu einem pferdeschwanz zusammengefasst. er fragt mich über meine reise aus und sein akzent ist so stark, dass ich bei fast allem, was er sagt, nachfragen muss. er wohnt auf dem camping und arbeitet in einer sägerei. dabei würden wenigstens nur die leute ausgebeutet. früher habe er als melker gearbeitet, da seien auch die tiere ausgebeutet werden. die kiwis gingen so schlecht mit ihren kühen um, sagt er. ausserdem geht er viel jagen, rotwild und wildschweine. ob ich fleisch esse? er schenkt mir wild, hirsch. der gefrorene klumpen ragoutgrosse stücke ist ungefähr so gross wie ein halbpfünderli. einwände lässt er nicht gelten.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s