hihi beach – hukatere

als ich mit necessaire und handtuch bei den klos auftauche, redet mich die frau an, die mit ihrem mann neben mir zeltet. wir plaudern, was zwischenzeitlich durch das zähneputzen unterbrochen wird. schliesslich fragt sie, ob ich mit ihnen frühstücken möchte. also hole ich eine tasse heisswasser in der küche. alle drei setzen wir uns dann an einen tisch in der sonne. die beiden heissen hemaima und tahi und wohnen eher in richtung westküste. sie wollen sich heute ein stück land anschauen und haben die gelegenheit einer campingübernachtung ergriffen. wir reden über die maorisprache und sue haben freude, dass ich mir mühe gebe, die wörter richtig auszusprechen. am schluss geben sie mir ihre angaben und laden mich zu sich nach hause ein.

die strasse wälzt sich voran, am cable bay esse ich eine goodie goodie gumdrops glace. davon hat mir die engländerin erzählt, die am hangi neben mir sass. sie ist ursprünglich neuseeländerin und diese glace sei kindheit pur. es ist auch eine kinderglace, leicht grünlich mit gummizeugs drin.
in awanui will ich was essen und mich mit nahrung eindecken. wieder einmal reingerattert: awanui ist ein kaff. da kaitaia nur acht kilometer entfernt ist, gibts hier kaum was. ein dairy mit vorwiegend getränken und glace und einigen büchsen und teigwaren. und ein tankstellenshop mit mehr angelhaken als food.

dann in die strasse nach cape reinga rein. ich will auf einer strasse zwischen highway und strand fahren, finde aber den einstieg nicht. also bleibe ich auf dem highway. am späteren samstag nachmittag ist hier nicht viel los. dreissig kilometer geht es einfach so dahin. pretty cruisy.

auf dem highway 1 in richtung cape reinga

auf dem highway 1 in richtung cape reinga

unterwegs zum cape reinga

unterwegs zum cape reinga

die abzweigung nach hukatere sollte demnächst kommen. aber die lodge ist noch nirgends angepriesen, während das erste schild für den camping schon einige kilometer her ist. als ich eine alte frau den briefkasten leeren sehe, frage ich sie. langatmig erklärt sie mir alles und fragt mich dann unvermittelt, ob ich einen tee wolle, sie habe gerade aufgegossen. that’d be lovely, sage ich und schiebe das surly die auffahrt hoch. die frau ist im haus verschwunden. etwas weiter die auffahrt hinauf steht ein melkkarussel, die ersten kühe trotten gerade rein. zwischen einer garderobe für arbeitskleidung und einer dusche suche ich mir den weg ins innere. es ist ziemlich schmutzig und unaufgeräumt. das tue ihr leid, sagt sie, aber es gebe einfach zu viele fernsehsendungen und zu viele bücher zum lesen, um ständig aufzuräumen. ich lächle freundlich und bin froh, dass die tasse sauber aussieht. ihr mann sei an einer landwirtschaftlichen ausstellung mit der tochter, sagt sie. als ich nach den kühen frage, sagt sie, es seien 220. oder auch 250. ihr mann habe 60 jahre gemolken. heute haben sie arbeiter dafür. und am montag, sie wird ganz theatralisch und hebt die arme, geschehe das unglaubliche und die welt komme stotternd zum stehen: ihr mann wechsle auf einmal melken täglich. das habe er in den ganzen 60 jahren noch nie gemacht. das tun sie ja hier öfters gegen ende laktation.
sie erzählt mir allerlei, dass sie einmal mehrere stunden auf einen gestrandeten wal aufgepasst habe, ihn mit wasser begossen und ihn gestreichelt und ihm vorgesungen. als sie das tier auf planen ins wasser trugen, habe der orca seinen kopf an ihrem bein gerieben, wie ein hund. und einmal sei sie zur geburtshilfe bei einem toten hai gerufen worden. mit sieben kindern habe sie ja erfahrung damit. ja, aber mit pressen, nicht mit ziehen, ruft sie aus und ich muss lachen. jedenfalls habe sie das tote junge herausgeholt, man wollte es offenbar zu forschungszwecken.
sie erzählt mir von all ihren kindern und zeigt immer wieder auf die porträts, die aber so über meinem kopf hängen, dass ich nichts erkenne. ich orientiere mich an den zahlen, denn die frau sagt immer „nummer drei und nummer sieben“.
schliesslich kommt der mann nach hause, sagt, oh schweiz, kannst du jodeln? ich verneine und jutze immerhin, was nicht allzu schlecht ankommt. sie singen dann i miss my swiss miss and my swiss miss misses me oder so was. die frau hat eine echt gute stimme, altersmässig nicht mehr ganz rein, aber da hat sie hart daran gearbeitet. sie sagt dann auch nebenbei dinge wie lyrischer jodel und was ihr mann eben anders mache und ich verstehe nicht ganz, was sie meint. später zeigt sie mir ihr spielzimmer, viele bücher, fotoalben, unterlagen von ihren reisen. dabei landen wir unvermittelt in der diskussion, was poesie ist. sie ist der ansicht, nur was sich reime, sei poetry. alles andere sei poetic, aber keine poetry. ich widerspreche, allerdings ist es gerade sehr schwierig, das wirksam zu untermauern. als ich mich auf den weg mache, stolpere ich fast über einen dieser roboter-staubsauger. ziemlich blöde stösst er mehrmals gegen ein tischbein und dreht sich dabei um sich selbst, bevor er eine andere richtung einschlägt.

die abzweigung kommt, ist nur mit „90 mile beach“ bezeichnet und nicht da, wo die karte sagt. fahre rein und nach zwei kilometern beginnt eine mühselige schotterpiste. wellblech. frage mich kurz, ob ich da wirklich runterwill, fahre aber weiter. da hält ein jeep neben mir. ob ich da unten übernachten wolle, sie bieten etwas an auf spendenbasis. ja, sage ich und lasse mir erklären, wohin. eigentlich wollte ich ja in die hukatere lodge, aber manchmal kommt eben was anderes des weges. bis später, sagt die frau, oder willst du mitfahren? das lasse ich mir nicht entgehen auf dieser elenden schotterstrasse, auf der ich um jeden meter kämpfen muss. das surly kommt aufs dach, die beladung hinten rein und ich zu zwei teenage-mädchen auf die rückbank. sie waren beim abendessen, fish’n’chips, wobei sie den fisch selbst mitgebracht haben.
herrlich ist es hier. in den dünen liegen kleine cabins, ein grösseres haus mit toiletten, duschen und küche, alles mit solar betrieben.

utea lodge, hukatere

utea lodge, hukatere

zum znacht gibts polenta mit thon an zitrone und pfeffer mit spargelspitzen. alles mit einer geschweizten zwiebel. das ist die magere ausbeute von dairy und tankstelle in awanui sowie des dairy in waiharara.

paul taucht später auf und erzählt allerlei unterhaltsames. sie machen keine werbung für ihre unterkunft, er spreche einfach alle an, die er antreffe. er rede gerne mit den leuten. ausserdem kann man ihn anrufen, wenn man mit dem auto im sand stecken bleibt. und das passiert vielen. sie fahren im weichen sand oder bei flut, nachts und mit zweiradantrieb, zu schweren autos (viehtransporter!) oder sind einfach ungeübt. der strand gilt zwar als strasse, aber trotzdem ist es anders, hier zu fahren.
ich wollte eigentlich nicht am strand fahren, sand und salzige luft sind wohl nicht so gut für das surly. aber den holperweg zurück ist auch nicht wirklich eine option. es gibt ausstiege vom strand in 30 und 50 km distanz. einen davon werde ich nutzen und den rest auf dem highway fahren.
offenbar sind drei velofahrer unterwegs am strand, die hätte ich gerne getroffen und gefragt.
paul erzählt noch von den wanderleuten, die hier durchkommen auf dieser nord-süd-durchquerung. ich denke an anna the runner, hier wird sie ihr projekt abschliessen. offenbar unterschätzen viele leute das wandern am strand. immerhin sind es 88 km. einige nehmen zu wenig wasser mit. ich kann mir gut vorstellen, dass einem das wandern am strand ewig vorkommt. die immer gleiche aussicht, der lärm, kein sonnenschutz, vielleicht wind. aber es hat etwas meditatives.

ich übernachte in einer cabin. vor dem schlafengehen gehe ich noch kurz zum strand runter, um die sonne sinken zu sehen. ein auto der post steht auch da. die leute fahren hier öfters mit dem firmenwagen am wochenende weg.

bei der utea lodge

bei der utea lodge

sonnenuntergang am 90 mile beach

sonnenuntergang am 90 mile beach

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s