hukatere – tapotupotu bay

morgens tauchen die drei velofahrer auf, von denen gestern die rede war. offenbar wird der strand für velos sogar empfohlen. sie finden, es sei gut zu fahren. sie sind den zweiten tag unterwegs und wollen nach bluff.

fahren am strand macht nicht wirklich spass. links das meer, rollende wellen an den strand, rechts mit grobem gras bewachsene dünen, vor mir elendlang der strand und im rückspiegel dasselbe. das fahren selber hat etwas mehr widerstand als auf der strasse, aber funktioniert gut. zu fuss ist das bestimmt meditativ, mit dem velo weniger. ich achte auf den sand, fahre nicht zu viel über muscheln, da ich bei ihnen scharfe kanten vermute. meist ist es drückend heiss, nur ab und zu schiebt sich eine wolke vor die sonne und macht angenehmen schatten. nach 15 km stöpsle ich das hörbuch ein. der wenige verkehr hat 50 m zum ausweichen und ich schaue ungeduldig alle 200 m auf den velo-pc. mit hörbuch gehts gleich besser.

90 mile beach, 0 km

90 mile beach, 0 km

90 mile beach, 15 km

90 mile beach, 15 km

der strand heisst zwar 90-mile-beach (= ca. 144 km), ist aber „nur“ 88 km lang. den namen haben ihm drei missionare gegeben, als sie ihn entlang wanderten. dabei ist er ihnen natürlich unendlich lang vorgekommen. gemäss biblischer tradition, anstatt „viele“ grosse zahlen einzusetzen, entschieden sie sich für die schöne zahl neunzig.
die 50 km sind dann auch auf einmal erreicht und ich suche den ausgang. ich weiss, dass ich entlang oder in einen kleinen fluss reinmuss, lande aber zuerst im falschen.
wenn man jemanden braucht, ist natürlich niemand da. ich sehe jedoch weiter vorne einen fischer und einen jeep und halte darauf zu. er erklärt mir, wo ich reinfahren muss. will mir einen fisch schenken, zieht das angebot aber zurück, als ich ihm sage, ich hätte nichts zum kühlen und sei noch mindestens drei stunden unterwegs.

der creek hat ein sandbett, in dem das wasser maximal fausthoch fliesst. meist schiebe ich am trockenen, aber nicht immer. fahren habe ich nur kurz versucht, dann gleich aufgegeben. es ist schwerarbeit. vor allem das hinterrad fühlt sich wie hundert kilo an, obwohl es munter mitdreht. die bremse hab ich schon mal ausgehängt, weil der nasse sand am reifen klebt und es zwischen bremsklotz und felge hässlich knirscht. mir graust vor dem waschen.

te paki creek, das ist der ausgang vom 90 mile beach auf den highway, das wasser ist fausthoch, der sand klebt am surly

te paki creek, das ist der ausgang vom 90 mile beach auf den highway, das wasser ist fausthoch, der sand klebt am surly

links breiten sich jetzt riesige dünen aus hellem sand aus. blende ich die vegetation rechts und den wasserlauf aus, wähne ich mich in der wüste. ich schiebe das velo ganze dreieinhalb kilometer, dann endlich ist der creek zu ende. picknicktische, klos und aus einem lastwagen werden schlitten vermietet, mit denen man die dünen runterfahren kann. klingt lustig, aber mir graust vor dem sand in gesicht.

te paki stream, riesenduenen

te paki stream, riesenduenen

riesenduenen

riesenduenen

alles abladen, räder ausbauen. mit der alten zahnbürste vorsichtig kassette, kette und alle lager von aussen reinigen. da socken und schuhe nass und voller sand sind, ausziehen. die eine socke dient, im creek ausgespült, zum reinigen der felgen, speichen und rahmenteile. als ich die räder nacheinander vorsichtig im niedrigen wasser schwenke, fragt ein mann, ob ich den platten gefunden hätte. ist wohl eine weile her, dass der einen platten geflickt hat.

nach dem te paki stream muss das surly vom sand gereinigt werden, hier ist es schon wieder sauber

nach dem te paki stream muss das surly vom sand gereinigt werden, hier ist es schon wieder sauber

endlich ziemlich sauber, gehts eine kiesstrasse auf. ich sehne mich nach asphalt. als der endlich kommt, währt die freude nicht lange. ich bin so richtig erschöpft am körper und müde im kopf. die 20 km kommen mir ewig vor. die hügel sind gross und jeder neue löst unwillen in mir aus. hat das auch mal ein ende? ich frage mich, ob es eine gute idee war, nach cape reinga zu fahren. ich muss vor 20 uhr ankommen, denn nachher wird es rasch dunkel. ich fahre runter und stosse das surly rauf, keine kraft mehr in den beinen und in den armen auch nicht mehr. die gut drei km durch den creek haben die arme herausgefordert.

unterwegs nach cape reinga

unterwegs nach cape reinga

unterwegs nach cape reinga

unterwegs nach cape reinga

eine abzweigung geht zum camping, geradeaus noch 5 km nach cape reinga. ich entscheide mich richtig, für den camping, aber die entscheidung ist schwierig. ich habe damit gerechnet, dass die strasse vom cape abgeht.
anfangs kann ich noch fahren, dann wird der gravel zu steil. ich kann die nötige aufmerksamkeit und die kraft für die abfahrt nicht mehr aufbringen. stosse und bremse runter, was zwar anstrengend, aber wenigstens nicht so gefährlich ist. es dauert ewig.

unten stelle ich im wind mein zelt auf. dann erstmal sand abwaschen. die mischung aus sonnencreme, sand und schweiss klebt fest an allen nicht mit kleidung bedeckten körperteilen. die schuhe und socken sind nass und sandig. dann endlich was zu essen machen. heute hätte ich viel darum gegeben, etwas zu essen vorgesetzt zu bekommen.

zelten am tapotupotu bay

zelten am tapotupotu bay

ich schlafe schnell ein. wache ab einem geräusch auf. ein komisches geräusch am fussende des zeltes. dann streicht etwas herum. ich liege still, das herz hämmert. aber es ist ein tier, kleine füsschen im gras. als es im vorzelt wild raschelt, bewege ich mich, öffne den reissverschluss und leuchte ein possum an, das 80 cm von mir entfernt seine händchen an meine küchensaccoche gelegt hat. es will nicht davon und ich versuche, es mit dem bändel der stirnlampe zu verscheuchen. es findet den ausgang nicht! also zelt aufmachen, aber das tier verkriecht sich zwischen innen und aussenzelt auf der linken seite. ich hab angst, dass es mich in panik anspringt und ins innenzelt kommt. jedenfalls ist es dann wieder im vorraum und drückt sich unter der zeltplane durch. draussen bleibt es unschlüssig stehen. ich fauche es an und das possum verschwindet. ab da ist ruhe.

wer findet die zikade?

wer findet die zikade?

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