dargaville – paparoa

irgendwelche tiere hielten mich nachts wach. es raschelte im vorzelt, aber wenn ich nachschaute, war nichts zu sehen. ein frosch quakte. um sechs schlief ich so richtig ein und war entsprechend benommen, als um acht der wecker klingelte. zum zmorge gabs speck und spiegeleier auf pitabrot. es war herrlich!

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aus dargaville heraus erstmal über den wairoa river, breit und braun liegt er da. die strasse folgt ihm in einiger distanz, fast topfeben. kumarafelder und etwas mais, lagerhallen. nach einem fotostop zirpt eine grille sehr laut, als ich wieder losfahre. das geräusch wird nicht leiser. sie sitzt auf meinem rücken! ich verscheuche sie, denn das geräusch ist echt laut.

ich hoffe auf einen kaffee in ruawai. die art, wie die ortschaft auf der karte markiert ist, sagt nichts darüber aus, was einen erwartet. bei ortschaften in grossbuchstaben schon, da gibts läden, bank, cafes. aber die normale schriftgrösse kann alles heissen. von läden, bank, cafes bis zu nicht einmal angeschrieben auf der strasse. bin schon ein paar mal hereingefallen, jetzt frage ich meist.
in ruawai gibts jedoch einiges. trinke cappuchino und esse ein brownie – es wird mit schlagsahne serviert. mmmmmh…

die strasse bleibt noch einige kilometer eben und wird dann hügelig. zudem brennt die sonne herunter. das ist etwas gewöhnungsbedürftig, waren doch die letzten tage bedeckt und regnerisch. ich verlasse den highway und folge dem schild zum kauri museum. bill, unser führer im nächtlichen wald, hat mir das empfohlen. er gehe zwar nicht mehr hin, die ganzen toten kauri machten ihn traurig, sagte er.

unterwegs

unterwegs

das museum ist gross und kostet entsprechend eintritt. aber ich habe zeit, paparoa ist nur sechs kilometer entfernt. der letzte camping, dann gibts keine mehr bis auckland.
die weltgrösste bernsteinsammlung vermag mich nicht zu fesseln. viele stücke sind nicht oder halb bearbeitet, einige geschnitzt. darunter fast lebensgrosse büsten von maori und bibeln. was man damit machte, weiss ich nicht. bernstein an einer kette gefällt mir, aber der rest nicht so. aber das zeug ist teuer!

bernstein-sammlung im kauri museum

bernstein-sammlung im kauri museum

zu den kauri: schwarzweiss-fotografien zeigen wackere mannen in grossen überhosen beim fällen von eindrücklichen kauribäumen. mit der zweipersonen-hobelzahnsäge zuerst, dann mit seilwinden und habeggern bewegen, in grosse stücke sägen und mit ochsengespannen zum fluss ziehen. dabei ging manches schief und man sieht männer mit verlorenem gesichtsausdruck zwischen den riesigen stammstücken sitzen, die ochsen liegen am haufen, im schlamm ausgerutscht. im fluss wurden dämme gebaut und das wasser gestaut. die stämme gesammelt und anschliessend wohl die dämme geöffnet. die stämme trieben einzeln in richtung (zum beispiel) hokianga harbour. dort wurden sie zu flössen gebunden und so weitertransportiert.

kauri faellen

kauri faellen

zweipersonenmotorsaege

zweipersonenmotorsaege

mit einem grossen ochsengespannt werden die baeume transportiert

mit einem grossen ochsengespannt werden die baeume transportiert

eine sägerei ist aufgebaut und man kann alle arbeitsschritte verfolgen. teilweise haben sie den stamm aufgebockt und mit einer zweipersonen-motorsäge bearbeitet – eine person steht auf dem stamm, die andere zwischen den böcken, sägemehl auf den schultern. den schaufensterpuppen läuft der schweiss. sowieso, diese puppen: bei jeder steht, welchem siedler oder welcher siedlerin sie nachempfunden sind. mit namen und namen der eltern. einige kiwis können also heute dort ihre vorfahren anschauen. es gibt auch eine sammlung alter motorsägen…

schoen

schoen

dann die gum-diggerei, das graben nach dem bernstein. die kauri wurden auch angezapft, aber mehr wurde wohl noch gegraben. wieder schwarzweissbilder von männern in hohen stiefeln, mit speeren, schaufeln und eimern. mit den speeren wurde in den mooren nach bernstein gesucht, anschliessend gegraben. mit pumpen mussten die löcher von wasser freigehalten werden. manchmal wurde auch erde gewaschen, wohl um kleinere stücke zu finden. diese bernsteinstücke sind teilweise einige tausend jahre alt. entweder mit gefallenen böden im sumpf verschwunden oder vom baum gefallen und mit der zeit von organischem material bedeckt. die maori sammelten bernstein schon länger und verwendeten es als fackel, zum feuermachen, pigment für tätowierungen oder als kaugummi, mit pflanzensäften versetzt. die europäer gruben dann in grossem stil danach und schifften es aus: linoleum, farben, verwendung in der herstellung von zahnprothesen, siegelwachs, kerzen, kleber, herstellung von lacken.
in einem animationsfilm wird für kinder erklärt, wie der kauri wächst. interessant ist dabei, dass die abgeworfenen äste und die rinde mit der zeit einen hügel um den baum herum bilden. daraus zieht der kauri einen teil seiner nährstoffe. diese verrottenden äste und rinde haben sind aber auch der grund dafür, dass keine anderen bäume, auch keine nicht verschwisterten kauri, rundherum wachsen.
ausserdem sind kauri mykorrhizafähig. sie gehen mit diesen bodenpilzen eine symbiose ein und haben dadurch zu mehr nährstiffen zugang. die mykorrhiza bilden ein weit verästeltes netz im boden.

weiblicher (rund) und maennlicher zapfen des kauri

weiblicher (rund) und maennlicher zapfen des kauri

als ich im souvenirshop herumstolpere, will mir nichts so recht gefallen. oder zwar gefallen, aber ich habe keine verwendung dafür. wieder draussen scheint mir, es sei noch heisser geworden. ich bringe die hügelige strecke nach paparoa hinter mich und stosse gleich am dorfeingang auf den camping. zelt aufstellen und erstmal im schatten lesen.

später frage ich nach einer waschmaschine. etwas irritiert beäugt er meinen kleinen sack mit schmutzwäsche. ob das alles sei. ich: ja, ich hab gar nicht mehr kleidung. also, noch was ich trage. er brummelt etwas und lässt mich dann eine kleine waschmaschine nutzen. momentan hätten sie wenig wasser.

beim kochen plaudere ich mit einem engländer, der seit drei jahren hier arbeitet. er plant und baut häuser „off the grid“, also mit eigener wasser- und stromversorgung, abwasserentsorgung usw. es ist interessant, aber er sagt auch komische dinge. zum beispiel regt er sich über die ortschaften hier auf, er kann sich die namen nicht merken. ich denke, darüber kann sich auch nur wer aufregen, der nur eine sprache spricht. ich verwechsle ab und zu auch etwas, so what. ausserdem sagt er, die maori-bevölkerung habe sich zahlenmässig sehr gut erholt, im unterschied zu den indigenen anderswo. man hätte eben damals, als die zahl so klein gewesen sei, gleich damit aufräumen sollen, dann hätte man jetzt auch normale ortschaften. was soll der scheiss?! er hats wohl lustig gemeint, aber es ist inakzeptabel. umso mehr von einem engländer.

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