auckland – singapore – zürich

ja, und dann ist der tag der abreise da. der zyklon ist mehr oder weniger glimpflich an neuseeland vorbeigezogen, oder wenigstens an auckland. es regnet und michaela sagt, damit mache mir das wetter den abschied ja nicht schwer.

michaela und robert fahren mich zum flughafen. das surly in seiner kiste schmiegt sich im grossen auto vertrauensvoll an meine schulter. ich schaue aus dem autofenster, werfe einen letzten blick auf auckland.

das einchecken geht schnell voran, allerdings hab ich weniger glück als in zürich und muss das übergepäck zahlen. weiter vorne in der schlange sind die beiden älteren franzosen, mit denen ich in wellsford geplaudert habe. sie fliegen wohl im gleichen flugzeug nach singapore und dann weiter nach frankreich.

ich bin gleichgültig, weiss, was kommt, der abschied tut im moment nicht weh. so unterwegs zu sein, wie ich es war, erfordert ständige abschiede. leute kennenlernen und wieder verabschieden. schöne orte sehen, geniessen und wieder verabschieden. dass ich jetzt bald das projekt als ganzes verabschiede, ist nur der grösste abschied von allem. und die frage stellt sich ja eher, was nun?

die zehn stunden flug nach singapore vergehen gut. ich habe mir einen sitz in der familienreihe ergattert, das bedeutet mehr beinfreiheit. neben mir eine junge deutsche familie mit einem kleinen kind, das meist mit einem plastikbecher spielt oder gestillt wird. bei der zeitungsauswahl habe ich mir den frei herumliegenden kulturteil einer zeitung geschnappt und geniesse so richtig das feuilletonlesen. danach gibts „wild“ und pinguine in madagaskar im bordfernsehen. und das kulinarische erlebnis mit rindsgulasch, kartoffelgratin und gemüse. und eis zum dessert.

in singapore komme ich abends um sechs an, und wieder bin ich den beteppichten fluren mit den fussmassagemaschinen. temperatur 30 grad und hohe luftfeuchtigkeit. da mein körper bereits mitternacht hat, bedeutet es für mich, bis sechs uhr morgens aufzubleiben, um anschliessend im flugzeug schlafen zu können, das ja morgens in zürich landet. zusammen mit der müdigkeit kommt jetzt das gefühl auf, zwischen den welten, zwischen den leben zu hängen. hier noch die erinnerung an das weiterfahren, an die grünen hügel, an den eukalyptusduft und das blöken von schafen, den staub der strasse und das meer, dort schon die – noch ältere – erinnerung an bern und meine liebsten, die arbeit und ich versuche mir vorzustellen, wie bern im frühling aussieht. primeli und schneeglöggli im garten, der blassblaue himmel über den alpen, bald schon das spriessende grün an den bäumen. mir scheint, ich habe vergessen, wie frühling ist. vielleicht ist es auch einfach komisch, vom sommer in den frühling zu kommen. es ist verkehrt.

die müdigkeit macht mir zunehmend zu schaffen. abends um zehn (mein körper denkt, es sei vier uhr morgens) nehme ich am flughafen eine dusche. einen moment privatsphäre, keine fremden leute um mich herum, keine öffentlichkeit, ich bleibe länger in der zelle, als ich nötig hätte und geniesse die ruhe. danach geht es darum, die knapp zwei stunden herumzubringen, bis ich durch die sicherheitskontrolle direkt am gate muss. benommen gehe ich in den langen gängen auf und ab, den rucksack auf einem kleinen gepäcktrolley vor mich herschiebend, die sicht macht langsam mühe, die umgebung verschwimmt vor meinen müden augen, es ist ziemlich viel los im flughafen, da fast 24 stunden geflogen wird (ausser zwischen drei und viertel vor fünf), ich habe gleichgewichtsprobleme, immer ein fuss vor den anderen, vorwärts, vorwärts, wie ein zombie, manche leute schauen mich komisch an, wenn ich mich schwertue, ihnen auszuweichen. die benommenheit schützt mich vor dem denken, die ganze aufmerksamkeit ist darauf gerichtet, nicht einzuschlafen. ich denke an die schlafbiologische studie, an der ich zu studienzeiten einmal teilgenommen habe (ich war jung und brauchte geld) und ein teil davon war ein 40-stündiger schlafentzug. im bett. bei 8 lux. mit einem maximalen sitzwinkel von 45 grad. das war echt hart, aber spannend. hinterher war mir klar, wie effektiv schlafentzug als foltermethode ist. und ich war freiwillig dort und bemühte mich nach kräften, wach zu bleiben. gegen ende der 40 stunden schlief ich praktisch im zehnsekundentakt ein. klopfen gegen die gegensprechanlage. aufwachen. zusammenreissen. wieder einnicken. als ich dann schlafen durfte, war ich nach anderthalb minuten im tiefschlaf, das haben die ganzen sonden gezeigt, mir denen ich versehen war. ein schritt vor den anderen, ausweichen, warum gehen die leute nicht zur seite, schlaflos in singpore.

endlich sicherheitscheck. am gate warten. endlich einsteigen. ich habe einen gangsitz mit normalem fussraum. setze mich hin und tauche gleich ab. kurz bevor ich ganz weg bin, wird mir klar, dass es noch abendessen geben wird. wir fliegen um halb zwei morgens ab (mein körper denkt, es sei halb sieben uhr morgens). das abendessen habe ich schon mal gehabt, auf dem vorderen flug. esse es trotzdem, so zombiehaft, wie ich im flughafen herumgeirrt bin. es wird lange stunden dauern, bis es frühstück gibt. wohl irgendwo über osteuropa, der republik moldau oder so. dann wieder wegtauchen. insgesamt schlafe ich ungefähr zwei stunden. als ich erwache, ist es im flugzeug dunkel, die meisten schlafen. das personal hat mich mit kopfhörern versorgt. ich versuche vergeblich, wieder einzuschlafen. ich hasse sitzen! alles tut mir weh, es ist eng, die armlehne nervt, die frau neben mir hat sich einen schal übers gesicht gelegt. wir sind in der nähe der toilette, wenn jemand im dunkel durch den gang vorbeitappt, geht immer ein blaues licht an. es nervt. hörbuch. kurz einnicken. halbschlaf. das personal geht vorbei. stellung wechseln. irgendwann geht auch das vorbei.

später schaue ich stephan hawking, ein eindrücklicher film. die zeit im flugzeug in filmen messen, ein film zwei stunden. zwischendurch auf die flugroute schalten, irgendwo über indien. unbekannte orte. ein wort mit der sitznachbarin wechseln, sie schaut „wild“. hat stephan hawking auch gesehen. wir tauschen uns aus.

irgendwann geht alles vorbei. das ist eine eigenschaft der zeit, die gut und schlecht sein kann. schade, dass neuseeland vorbei ist. aber auch ok. gut, dass der flug demnächst vorbei ist. ich freue mich auf die frühstückswahl von asiatischen nudeln, aber im hinteren teil des flugzeugs sitzen soviele asiatische leute, dass auf meiner höhe nur noch das englische zmorge verfügbar ist. an sich ok, nur die flugzeugvariante von hashbrown (sowas wie rösti, verdient den namen aber nicht, darum heissts auch nicht so) und würstli ist recht labbrig. der kaffee naja. tee hab ich gar nicht versucht. das brot teilweise hart. das joghurt schon von der emmi.

die zeit bis zur ankunft ist unter zwei stunden gefallen. die nervosität steigt. ein empfangskomitee wartet auf mich am flughafen. die schweiz kommt näher. die moldauischen und rumänischen orte auf der übersichtskarte kommen mir immerhin schon bekannt vor. bald sind wir über österreich. ich höre beethovens 3., eroica. die transitphase hält an, zwischen hier und dort. der landeanflug beginnt, die höhenmeter sinken rapide, kaugummi und gut atmen, kein druck in den ohren, lunge ok, konzentrieren und die anzeige steht noch bei gut 400 metern, da setzen wir schon auf, ich bin etwas aus dem konzept, das ist doch zu früh, wir sind doch noch in der luft, da flitzen draussen schon bäume und weit entfernt die alpen, von der morgensonne beleuchtet, vorbei. die schweizer alpen. nicht die southern alps. welcome to zurich, sagt der pilot. 14 grad sei es, schönes wetter.

wir warten ewig, bis wir aussteigen können. die langen gänge des zürcher flughafens, der transport mit der bahn (inklusive jodel und kuh muhen und glocken und dreisprachiger ansage) und wieder gänge. das gepäck ist schon da. meine tasche, wie eine von einer spinne eingewickelte fliege, kommt bald. das surly liegt schon beim sperrgut. die kiste sieht ziemlich heil aus. ich bremse den fluss von leuten, die durch den zoll wollen, mit meiner breiten kiste, quer auf dem gepäckwagen, die leute schauen aber mehr interessiert als verärgert. ich werde herausgewunken. wo ich das velo gekauft hätte. ob ich den beleg dabei hätte. ehm, nein. er mustert mich etwas misstrauisch und ich denke nur, komm, mach jetzt keine lämpen, ich will raus, hab lange nicht geschlafen, bin verwirrt und etwas haltlos, mach mich nicht fertig. er winkt mich durch.

und draussen warten sie, es gibt umarmungen und fest drücken und einige tränen. die schweiz hat mich wieder. um mich herum schweizerdeutsch, halbtax und sbb, franken und frühling. ich brauche keine jacke.

im zug gibts züpfe und bündnerfleisch, kaffee und ich freue mich über die vertrauten gesichter, gestiken, geschichten. einige sehen auch übernächtigt aus, sind auch früh aufgestanden. für meinen körper ist es bereits abend, aber ich muss durchhalten. bis um acht mindestens.

die schweiz und bern ist da, vertraut und altbekannt und irgendwie normal. auf einer oberen schicht meines bewusstseins fühlt es sich an wie alltag. als wäre ich nie weggewesen. auf den schichten darunter ist mehr unruhe. die zeit, die erlebnisse, das gewöhnen an die sesshaftigkeit nach ungefähr 60 verschiedenen zu hause in 88 tagen. was jetzt kommt, sieht man. ich habe ein buch gelesen über ein paar, das eine weltreise macht. die reise sei nicht das problem, sagen sie. sondern das nachher. und wie sagt roman? nach der reise sei vor der reise.

zu hause sein ist gut.

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