merci

merci leute, es war schön. es ist schön. es hat immer beide seiten. ohne das heimkommen ist das fortgehen nicht möglich. es ist nicht möglich, sich dem reisen hinzugeben, ohne mit dem aufwachen zu rechnen, das das heimkommen mit sich bringt.

merci für alle guten wünsche und gedanken, für die unterstützungsbeiträge und die geschenke, für alle mails und sms während der reise, für die freude an meinen beiträgen.

merci den weltbesten bürogspänli, die sofort damit einverstanden waren, dass ich für drei monate fehle, die freude an meinem blog hatten und gerne übers velofahren plauder(te)n.

merci allen menschen, die mich unterwegs angesprochen, begleitet und bei sich zu hause aufgenommen haben.

merci allen menschen, die in der schweiz auf mich gewartet haben und mich daheim willkommen heissen.

ich freue mich darauf, euch alle wieder zu sehen.

 

 

 

 

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auckland – singapore – zürich

ja, und dann ist der tag der abreise da. der zyklon ist mehr oder weniger glimpflich an neuseeland vorbeigezogen, oder wenigstens an auckland. es regnet und michaela sagt, damit mache mir das wetter den abschied ja nicht schwer.

michaela und robert fahren mich zum flughafen. das surly in seiner kiste schmiegt sich im grossen auto vertrauensvoll an meine schulter. ich schaue aus dem autofenster, werfe einen letzten blick auf auckland.

das einchecken geht schnell voran, allerdings hab ich weniger glück als in zürich und muss das übergepäck zahlen. weiter vorne in der schlange sind die beiden älteren franzosen, mit denen ich in wellsford geplaudert habe. sie fliegen wohl im gleichen flugzeug nach singapore und dann weiter nach frankreich.

ich bin gleichgültig, weiss, was kommt, der abschied tut im moment nicht weh. so unterwegs zu sein, wie ich es war, erfordert ständige abschiede. leute kennenlernen und wieder verabschieden. schöne orte sehen, geniessen und wieder verabschieden. dass ich jetzt bald das projekt als ganzes verabschiede, ist nur der grösste abschied von allem. und die frage stellt sich ja eher, was nun?

die zehn stunden flug nach singapore vergehen gut. ich habe mir einen sitz in der familienreihe ergattert, das bedeutet mehr beinfreiheit. neben mir eine junge deutsche familie mit einem kleinen kind, das meist mit einem plastikbecher spielt oder gestillt wird. bei der zeitungsauswahl habe ich mir den frei herumliegenden kulturteil einer zeitung geschnappt und geniesse so richtig das feuilletonlesen. danach gibts „wild“ und pinguine in madagaskar im bordfernsehen. und das kulinarische erlebnis mit rindsgulasch, kartoffelgratin und gemüse. und eis zum dessert.

in singapore komme ich abends um sechs an, und wieder bin ich den beteppichten fluren mit den fussmassagemaschinen. temperatur 30 grad und hohe luftfeuchtigkeit. da mein körper bereits mitternacht hat, bedeutet es für mich, bis sechs uhr morgens aufzubleiben, um anschliessend im flugzeug schlafen zu können, das ja morgens in zürich landet. zusammen mit der müdigkeit kommt jetzt das gefühl auf, zwischen den welten, zwischen den leben zu hängen. hier noch die erinnerung an das weiterfahren, an die grünen hügel, an den eukalyptusduft und das blöken von schafen, den staub der strasse und das meer, dort schon die – noch ältere – erinnerung an bern und meine liebsten, die arbeit und ich versuche mir vorzustellen, wie bern im frühling aussieht. primeli und schneeglöggli im garten, der blassblaue himmel über den alpen, bald schon das spriessende grün an den bäumen. mir scheint, ich habe vergessen, wie frühling ist. vielleicht ist es auch einfach komisch, vom sommer in den frühling zu kommen. es ist verkehrt.

die müdigkeit macht mir zunehmend zu schaffen. abends um zehn (mein körper denkt, es sei vier uhr morgens) nehme ich am flughafen eine dusche. einen moment privatsphäre, keine fremden leute um mich herum, keine öffentlichkeit, ich bleibe länger in der zelle, als ich nötig hätte und geniesse die ruhe. danach geht es darum, die knapp zwei stunden herumzubringen, bis ich durch die sicherheitskontrolle direkt am gate muss. benommen gehe ich in den langen gängen auf und ab, den rucksack auf einem kleinen gepäcktrolley vor mich herschiebend, die sicht macht langsam mühe, die umgebung verschwimmt vor meinen müden augen, es ist ziemlich viel los im flughafen, da fast 24 stunden geflogen wird (ausser zwischen drei und viertel vor fünf), ich habe gleichgewichtsprobleme, immer ein fuss vor den anderen, vorwärts, vorwärts, wie ein zombie, manche leute schauen mich komisch an, wenn ich mich schwertue, ihnen auszuweichen. die benommenheit schützt mich vor dem denken, die ganze aufmerksamkeit ist darauf gerichtet, nicht einzuschlafen. ich denke an die schlafbiologische studie, an der ich zu studienzeiten einmal teilgenommen habe (ich war jung und brauchte geld) und ein teil davon war ein 40-stündiger schlafentzug. im bett. bei 8 lux. mit einem maximalen sitzwinkel von 45 grad. das war echt hart, aber spannend. hinterher war mir klar, wie effektiv schlafentzug als foltermethode ist. und ich war freiwillig dort und bemühte mich nach kräften, wach zu bleiben. gegen ende der 40 stunden schlief ich praktisch im zehnsekundentakt ein. klopfen gegen die gegensprechanlage. aufwachen. zusammenreissen. wieder einnicken. als ich dann schlafen durfte, war ich nach anderthalb minuten im tiefschlaf, das haben die ganzen sonden gezeigt, mir denen ich versehen war. ein schritt vor den anderen, ausweichen, warum gehen die leute nicht zur seite, schlaflos in singpore.

endlich sicherheitscheck. am gate warten. endlich einsteigen. ich habe einen gangsitz mit normalem fussraum. setze mich hin und tauche gleich ab. kurz bevor ich ganz weg bin, wird mir klar, dass es noch abendessen geben wird. wir fliegen um halb zwei morgens ab (mein körper denkt, es sei halb sieben uhr morgens). das abendessen habe ich schon mal gehabt, auf dem vorderen flug. esse es trotzdem, so zombiehaft, wie ich im flughafen herumgeirrt bin. es wird lange stunden dauern, bis es frühstück gibt. wohl irgendwo über osteuropa, der republik moldau oder so. dann wieder wegtauchen. insgesamt schlafe ich ungefähr zwei stunden. als ich erwache, ist es im flugzeug dunkel, die meisten schlafen. das personal hat mich mit kopfhörern versorgt. ich versuche vergeblich, wieder einzuschlafen. ich hasse sitzen! alles tut mir weh, es ist eng, die armlehne nervt, die frau neben mir hat sich einen schal übers gesicht gelegt. wir sind in der nähe der toilette, wenn jemand im dunkel durch den gang vorbeitappt, geht immer ein blaues licht an. es nervt. hörbuch. kurz einnicken. halbschlaf. das personal geht vorbei. stellung wechseln. irgendwann geht auch das vorbei.

später schaue ich stephan hawking, ein eindrücklicher film. die zeit im flugzeug in filmen messen, ein film zwei stunden. zwischendurch auf die flugroute schalten, irgendwo über indien. unbekannte orte. ein wort mit der sitznachbarin wechseln, sie schaut „wild“. hat stephan hawking auch gesehen. wir tauschen uns aus.

irgendwann geht alles vorbei. das ist eine eigenschaft der zeit, die gut und schlecht sein kann. schade, dass neuseeland vorbei ist. aber auch ok. gut, dass der flug demnächst vorbei ist. ich freue mich auf die frühstückswahl von asiatischen nudeln, aber im hinteren teil des flugzeugs sitzen soviele asiatische leute, dass auf meiner höhe nur noch das englische zmorge verfügbar ist. an sich ok, nur die flugzeugvariante von hashbrown (sowas wie rösti, verdient den namen aber nicht, darum heissts auch nicht so) und würstli ist recht labbrig. der kaffee naja. tee hab ich gar nicht versucht. das brot teilweise hart. das joghurt schon von der emmi.

die zeit bis zur ankunft ist unter zwei stunden gefallen. die nervosität steigt. ein empfangskomitee wartet auf mich am flughafen. die schweiz kommt näher. die moldauischen und rumänischen orte auf der übersichtskarte kommen mir immerhin schon bekannt vor. bald sind wir über österreich. ich höre beethovens 3., eroica. die transitphase hält an, zwischen hier und dort. der landeanflug beginnt, die höhenmeter sinken rapide, kaugummi und gut atmen, kein druck in den ohren, lunge ok, konzentrieren und die anzeige steht noch bei gut 400 metern, da setzen wir schon auf, ich bin etwas aus dem konzept, das ist doch zu früh, wir sind doch noch in der luft, da flitzen draussen schon bäume und weit entfernt die alpen, von der morgensonne beleuchtet, vorbei. die schweizer alpen. nicht die southern alps. welcome to zurich, sagt der pilot. 14 grad sei es, schönes wetter.

wir warten ewig, bis wir aussteigen können. die langen gänge des zürcher flughafens, der transport mit der bahn (inklusive jodel und kuh muhen und glocken und dreisprachiger ansage) und wieder gänge. das gepäck ist schon da. meine tasche, wie eine von einer spinne eingewickelte fliege, kommt bald. das surly liegt schon beim sperrgut. die kiste sieht ziemlich heil aus. ich bremse den fluss von leuten, die durch den zoll wollen, mit meiner breiten kiste, quer auf dem gepäckwagen, die leute schauen aber mehr interessiert als verärgert. ich werde herausgewunken. wo ich das velo gekauft hätte. ob ich den beleg dabei hätte. ehm, nein. er mustert mich etwas misstrauisch und ich denke nur, komm, mach jetzt keine lämpen, ich will raus, hab lange nicht geschlafen, bin verwirrt und etwas haltlos, mach mich nicht fertig. er winkt mich durch.

und draussen warten sie, es gibt umarmungen und fest drücken und einige tränen. die schweiz hat mich wieder. um mich herum schweizerdeutsch, halbtax und sbb, franken und frühling. ich brauche keine jacke.

im zug gibts züpfe und bündnerfleisch, kaffee und ich freue mich über die vertrauten gesichter, gestiken, geschichten. einige sehen auch übernächtigt aus, sind auch früh aufgestanden. für meinen körper ist es bereits abend, aber ich muss durchhalten. bis um acht mindestens.

die schweiz und bern ist da, vertraut und altbekannt und irgendwie normal. auf einer oberen schicht meines bewusstseins fühlt es sich an wie alltag. als wäre ich nie weggewesen. auf den schichten darunter ist mehr unruhe. die zeit, die erlebnisse, das gewöhnen an die sesshaftigkeit nach ungefähr 60 verschiedenen zu hause in 88 tagen. was jetzt kommt, sieht man. ich habe ein buch gelesen über ein paar, das eine weltreise macht. die reise sei nicht das problem, sagen sie. sondern das nachher. und wie sagt roman? nach der reise sei vor der reise.

zu hause sein ist gut.

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devonport/auckland

ausschlafen. naja, so mehr oder weniger. erwache aus gewoehnung um acht.

mit der faehre gehts nach auckland rueber. ich klappere einige geschaefte ab, die ich mir im verlauf der letzten drei monate notiert habe. kaufe die souvis ein, ueber die ich schon seit wochen nachdenke. es macht spass. endlich kann ich mal was kaufen. drei monate lang habe ich mich jetzt zurueckgehalten, weil ich nichts unnoetig mitschleppen wollte.

mit dem zwoelf uhr schiff zurueck, um mir moeglichst gute plaetze in den flugzeugen zu reservieren.

der nachmittag vergeht vor allem mit der demontage des surly. die kiste ist deutlich kleiner als jene, die ich vom flughafen belpmoos hatte. das surly verliert nicht nur beide raeder, sondern auch den wunderbaren front-gepaecktraeger (ja, roman, hast ja recht gehabt…), dazu natuerlich die pedale, den lenker und auch die hintersten verstrebungen des schutzbleches.

surly, auf dem weg in die flugkiste

surly, auf dem weg in die flugkiste

wie wird es sein, zurueckzukommen? tja, there’s only one way to find out. hier wird es langsam herbst, die temperaturen nicht mehr so hoch. ganz neuseeland, nein, die ganze hiesige weltregion, schaut ausserdem auf einen zyklopen, dessen auswirkungen hier in neuseeland wohl morgen beginnen.

am nächsten tag windets ziemlich. ich stapfe auf den mount victoria, eine erhebung in devonport, von der aus sich ein schöner blick auf auckland bietet.

auckland und devonport, vom mount victoria aus

auckland und devonport, vom mount victoria aus

auckland und devonport, vom mount victoria aus

auckland und devonport, vom mount victoria aus

auckland, innenstadt

auckland, innenstadt

mit der fähre rüber. stolpere etwas benommen dem hafen entlang. freude aufs heimkommen, schmerz über den abschied von hier und damit begreifen, dass das projekt geschichte ist. eine rennjacht liegt im wasser, reduziert aufs notwendige. ich schaue mir alles an, aber nicht bei jedem tau ist mir die funktion klar. vor allem im heck gibt es justiermöglichkeiten, die sich mir nicht erschliessen.

rennjacht im hafen auckland

rennjacht im hafen auckland

später im victoria market etwas trinken. schön renovierte und herausgeputzte backsteingemäuer mit einem alten schlot. bob dylan singt knockin‘ on heavens door. es ist friedlich.

im new world supermarkt muss ich für ein souvenir – ein bier – den pass zeigen. er dachte wohl, er schmeichle mir mit den zweifeln an meinem alter. oder vielleicht haben ihn die gummitierli irritiert, die ich neben das bier auf das band gelegt habe.

was mir an auckland gefällt, ist das nebeneinander von alten und neuen gebäuden. denkmalschutz ist hier anders organisiert. so was wie ortsbildschutz oder wie das bei uns heisst, gibts hier wohl nicht. ich streune durch die strassen auf der suche nach diesen alten kolonialgebäuden neben schillernden glasoberflächen von hochhäusern.

alt und neu in auckland

alt und neu in auckland

alt und neu in auckland

alt und neu in auckland

alt und neu in auckland

alt und neu in auckland

alt und neu in auckland

alt und neu in auckland

alt und neu in auckland

alt und neu in auckland

die queensstreet ist eigenartig verkehrsarm und überall sind leute in grün und warten auf etwas. die st. patrick’s day parade.

warten auf die st. patrick's day parade

warten auf die st. patrick’s day parade

der abend vergeht mit packen. einen film schauen. das wetter ist windig und regnerisch, aber soweit nicht dramatisch. das gepäck ist zu schwer. nicht an morgen denken. es kommt gut.

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kaukapakapa – devonport (auckland)

ich schlafe schlecht. eine fliege und drei mücken halten mich wach. hätte doch das mückenabwehrmittel noch mitschleppen sollen.

da der pub erst um zwei aufmacht, ist da natürlich kein frühstück zu erwarten. der diner im container neben dem pub hat aber schon auf. ich lasse mich für einen cappuchino und ein bacon-cheese-toastie in einem der hässlichen sessel nieder, die vor dem container stehen. es herrscht reger betrieb, leute holen sich ihren kaffee oder sonstwas zum znüni. bevor ich das zimmer verlasse, scheuche ich noch die gottesanbeterin nach draussen. vielleicht ist ihr kollege in dem zimmer nämlich auch einfach verhungert.

zweihundert meter fahre ich und stoppe vor annas friseursalon. sie hat gerade keine kundschaft und daher zeit für ein schwätzchen. sie findet, ich sähe deutlich besser aus als gestern. all die schwellungen sind weg, bis auf die region des stichs. aber das bleibt wohl noch eine weile empfindlich. sie gibt mir ihre karte und ich
sage, wenn ich wieder im land bin, komme ich für einen haarschnitt vorbei.

anna, hat mir die haare geschnitten und fuer mich die ambulanz angerufen

anna, hat mir die haare geschnitten und fuer mich die ambulanz angerufen

dann geht es richtig los, sechzehn kilometer bis dairy flat. ruhiger verkehr, angenehme 22 grad, grasende milchkühe. mir scheint, ich nehme alles deutlicher wahr als sonst, stoppe immer wieder, um recht unspektakulaere landschaft zu fotografieren, schaue in die hauseinfahrten, atme bewusst noch einmal den eukalyptusduft ein.

in einem kleinen gemueseladen gibt es eine cola und zwei flache pfirsiche.
laedeli unterwegs

laedeli unterwegs

in dairy flat gibt es eine glace, zwei arbeiter sprechen mich an. aus ihrem family van haben sie zwei plastikstuehle ausgeladen und fuers mittagessen vor dem laden aufgestellt. aus tupperwares loeffeln sie etwas recht undefinierbares und essen toastbrot dazu.
aber ob cola oder eis, sie schieben das unvermeidliche nur unscheinbar hinaus: dass ich mich mit jedem kilometer dem ende meines projekts, meiner reise, meiner tour naehere: devonport.
in dairy flat geht es kurz in richtung hw1, dann aber ueber die wilks road und eine bruecke ueber den hw1 auf eine kleinere strasse, die in sueden richtung auckland fuehrt. es sieht aus wie die autobahn ungefaehr auf der hoehe muenchenbuchsee.
sh1 in richtung auckland - zum glueck muss ich da nicht drauf

sh1 in richtung auckland – zum glueck muss ich da nicht drauf

die haeuser stehen dichter, der verkehr nimmt etwas zu und ich fahre in die agglomeration von auckland ein. ein ort reiht sich nahtlos an den anderen, ich orientiere mich zwar an den namen, aber ich weiss nicht genau, wann ich welches dorf erreicht habe. google maps lotst mich bald von einer hauptstrasse weg in ruhigere quartierstrassen. einige kilometer wohnhaeuser, dann wieder eine strasse mit cafes, laeden, betrieb freitagnachmittags, dann wieder wohnhaeuser.
von einem huegel aus sehe ich schon auf das meer hinunter. wieder einmal seit langem kann ich auf einem velostreifen fahren.
durch die vororte in richtung auckland, wieder auf einem velostreifen! vorne seh ich schon das meer

durch die vororte in richtung auckland, wieder auf einem velostreifen! vorne seh ich schon das meer

auf der t2-spur (morgens nur fuer autos mit mindestens zwei personen drin, busse, taxis und velos) parken fahrzeuge. ich naehere mich immer schneller den 48 kilometern, die google maps fuer die heutige etappe berechnet hat.
bald folge ich dem wegweiser devoport. in einer seitenstrasse setze ich mich in ein cafe, ein letzter zeitvertrieb, ein mittagessen und ein cappuchino und dann bin ich schon bald auf strassen, die ich kenne. ploetzlich faehrt ein auto neben mir mit, scheibe runter, ein mann mit blonden haaren fragt, brauchst du noch einen platz zum zelten heute abend. ich sage, nein danke, hab schon was und das auto ist weg. spaeter sehe ich sie im garten, ich werde in der gleichen strasse uebernachten.
und dann bin ich da, die hausnummer und das haus bekannt, ich fahre die letzten meter, kann das velo wieder mal nirgends anstellen, es fuehlt sich noch gar nicht anders an als sonst, bin nur froh, hat das hinterrad noch mitgemacht. vermutlich ist es nicht mehr richtig zentriert, aber es hat gehalten. klingeln, robert kommt heraus, macht mir die garage auf, schiesst ein bild von mir, wie ich nach 3641 km durch neuseeland aussehe – aehnlich wie vorher, etwas leichter, etwas braungebrannter, aber doch unverkennbar ich.
nach 3641 km am ziel in devonport

nach 3641 km am ziel in devonport

kaum angekommen, sieht das zimmer aus, als habe eine bombe eingeschlagen. alle taschen geleert, sortieren, wegschmeissen, waschen.
nach dem abendessen auf der terrasse, abendsonne auf dem meer, die lichter in auckkland drueben sind schon angegangen, schauen wir „boy“, einen neuseelaendischen film. beruehrend, erschreckend, lustig.

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wellsford – kaukapakapa

was für ein schöner zweitletzter tag – diesen satz hatte ich mir für den heutigen blog vorgenommen, als ich durch die hügelige weidelandschaft fuhr, bei angenehmen 22 grad, wenig verkehr und weit entfernt das blau des kaipara harbour auftauchte.

kaipara harbour

kaipara harbour

unterwegs nach kaukapakapa

unterwegs nach kaukapakapa

leider wurde der tag ab ungefähr viertel vor zwei – zwei kilometer vor kaukapakapa – allzu ereignisreich und führte schliesslich dazu, dass ich zwar keine notfallaufnahme, wohl aber eine ambulanz von innen sah. doch alles der reihe nach.

beim letzten downhill flog mir ein insekt an den hals, hart wie ein kieselstein bei 45 kmh. es wurde aber nicht weggeblasen, sondern verirrte sich in meinem tshirt und stach mich schliesslich, als die strasse gerade wieder flacher wurde. eine biene! ich bin ja vor einigen wochen schon mal gestochen worden und hielt sofort an. im rückspiegel sah ich, dass der stachel noch festsass. ich hatte kaum die pinzette des sackmessers hervorgeholt, als ein auto anhielt. ob alles in ordnung sei, fragt eine frau. ob sie mir den stachel ziehen könne, bitte ich sie. danach fuhr ich weiter.

in kaukapakapa gleich mal zum hairdresser’s, vielleicht hab ich ja glück. hab ich. nach einigen minuten auf dem stuhl fängt es überall an zu brennen und ich kann im spiegel zuschauen, wie meine augen zuschwellen. ich sage der coiffeuse, der halbe kopf ist schon geschnitten, ich sei gestochen worden und fühlte mich etwas komisch. als sie nach dem stich fragt und ich ihr die stelle sage, stellen wir fest, dass ich massiven ausschlag habe. da es im dorf keine medizinische fachperson gibt, ruft sie die ambulanz. der kreislauf macht probleme, mir ist übel und es juckt ziemlich, aber ich habe keine atembeschwerden. wir warten auf die ambulanz und weil wir beide nervös sind, schlage ich ihr vor, doch mit dem haarschneiden fortzufahren. meine frisur ist fertig und die ambulanz noch immer nicht da. die coiffeuse beginnt dann mit der nächsten, angemeldeten, patientin und behält mich im auge. ich lese ein heftli, um mich abzulenken. so eine coiffeuse will man um sich haben in dieser situation, wenn es denn eine coiffeuse sein muss. um die fünfzig mit kurzem grauem haar und einem freundlichen lachen, ist sie ruhig geblieben und hat die offenbar allergische velofahrerin und die restliche kundschaft nebeneinanderher jongliert. es war schon wieder etwas besser geworden oder zumindest nicht schlimmer.

dann kam die ambulanz und mit ihr ein arzt und ein freiwilliger, beide in dunkelgrünem tuch, sahen aus wie ranger. sie nahmen mich in die ambulanz mit, fragten und massen allerhand und gaben mir dann ein antihistaminikum und etwas gegen das jucken. da wir auf die wirkung warten mussten, schrieb der freiwillige am bericht und der arzt unterhielt mich. sagte mir, wie es weitergehen könnte (das nächste mal könnte es noch schlimmer werden) und wir plauderten über dieses und jenes. ich fragte ihn, warum alle ambulanzen st. john heissen. offenbar unterhält der neuseeländische staat zwar spitäler und feuerwehren, aber keine ambulanz. diese dienstleistung wird von der st. john organisation gestellt und vom staat finanziell unterstützt.

sie stellen mich vor die wahl, mich ins medical centre nach helensville zu bringen oder alleine zurechtzukommen und im zweifelsfall wieder anzurufen. so verabschiede ich mich von john und marc und sitze eine weile im coiffeursalon. es geht mir ganz ok, nur vermute ich grossflächigen ausschlag.

nachdem mir anna, die coiffeuse, das versprechen abgenommen hat, morgen kurz vorbeizuschauen, fahre ich die 200m zum pub, der auch zimmer anbietet. eine junge frau führt mich zu motelartig angeordneten zimmern. ich lade alles ab, nehme aber das surly auch ins zimmer.

im spiegel seh ich dann, dass es übel aussieht. eine lauwarme dusche tut wunder. jedenfalls lässt sich die gottesanbeterin im vorhang nicht irritieren. neben ihr hängt die hülle einer artgenossin (oder eines artgenossen? töten nicht die weibchen die männchen?).
während tee trinken, bloggen und lesen geht der ausschlag zurück und ich bin schon bald bereit für ein abendessen im pub. ein country beef burger mit chips und ein speight’s.

gottesanbeterin (mit ex) im motelzimmer

gottesanbeterin (mit ex) im motelzimmer

ein zimmer beim pub gemietet, wieder mit surly

ein zimmer beim pub gemietet, wieder mit surly

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paparoa – wellsford

zum zmorge den rest vom speck und eier. meine pfanne und der becher, das insektenabwehrmittel, die salbe gegen juckende stiche und der brennsprit bleiben auf dem camping.
anschliessend erstmal kaffee im dorf. die gut 20km bis nach brynderwyn sind recht ruhig, auf und ab. es ist schon wieder sehr heiss. immer wieder sehe ich weit über das hügelige weideland, mit bäumen durchsetzt, darüber blauer himmel mit eindrucksvollen wolkenformationen.

in brynderwyn geht es für 28 km bis wellsford auf den sh 1. das habe ich gestern erst realisiert und darum die strecke auf dem sh 12 noch genossen.
als ich den rückspiegel wieder einmal besser befestige, da er aus meiner sicht auf dem sh 1 zentral ist, fällt mir ein, was der mann vom zeltplatz in dargaville erzählt hat. er fragte ein paar velofahrer, warum sie keinen rückspiegel hätten. die antwort war, es sei zu gefährlich, bei einem unfall könnte man sich den zwischen die rippen stossen. ich bin ja einverstanden, dass gebrochene rippen und ein pneu keinen spass machen, aber das ist ein hohles argument. so wie wenn man lieber ungesichert klettert, weil man sich beim fallen strangulieren könnte. ich bin jedenfalls sehr froh um den rückspiegel, habe aber hier fast niemanden getroffen, der mit fährt.

sh1 nach wellsford, mit ausreichendem strassenrand

sh1 nach wellsford, mit ausreichendem strassenrand

auf vielen strassen wird gebaut, und die schilder sind immer so freundlich

auf vielen strassen wird gebaut, und die schilder sind immer so freundlich

in ebendiesem rückspiegel sehe ich kurz nach te hana, wo ich einen kaffee getrunken und mit dem mann geplaudert habe, der die veranda strich, dass mir ein auto folgt. langsam fährt es hinter mir her. einen blick später ist klar: die kehrichtabfuhr. als sie mich schliesslich überholt, ist der geruch nicht angenehm und erinnert mich an die zweitakt-stinker – auch töffli genannt – die ein velo am stutz überholen, aber nicht wirklich schneller sind und dann in vier metern abstand vor einem herstinken.

hinter mir tauchen zwei velofahrer auf. zwei braungebrannte, hagere franzosen um die sechzig überholen mich. bonjour grüssen sie. grosse sacchochen am vorderrad, auf dem gepäckträger ein rucksäckli. in wellsford hole ich auf. rede franz mit ihnen, sie weiterhin englisch, das aber so gebrochen ist, dass man es nicht mehr flicken kann. henu.

ich finde ein motel, dusche schnell und suche mir einen coiffeur. kriege aber keinen termin. die innenstadt ist gute 100m lang, eine strasse, ich wandere hin und her, trinke kaffee.

motelzimmer in wellsford fuer mich und das surly, im hintergrund trocknen die haeringe

motelzimmer in wellsford fuer mich und das surly, im hintergrund trocknen die haeringe

der abend vergeht mit fernsehen und dazu aufräumen, häringe waschen, unnötiges entsorgen. im fernsehen kommt fast nur schrott. kurz schaue ich maori tv. eine jüngere frau redet mit einer älteren über deren leben. zum glück englisch untertitelt.

maori tv

maori tv

ein kleines souvenir

ein kleines souvenir

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dargaville – paparoa

irgendwelche tiere hielten mich nachts wach. es raschelte im vorzelt, aber wenn ich nachschaute, war nichts zu sehen. ein frosch quakte. um sechs schlief ich so richtig ein und war entsprechend benommen, als um acht der wecker klingelte. zum zmorge gabs speck und spiegeleier auf pitabrot. es war herrlich!

image

aus dargaville heraus erstmal über den wairoa river, breit und braun liegt er da. die strasse folgt ihm in einiger distanz, fast topfeben. kumarafelder und etwas mais, lagerhallen. nach einem fotostop zirpt eine grille sehr laut, als ich wieder losfahre. das geräusch wird nicht leiser. sie sitzt auf meinem rücken! ich verscheuche sie, denn das geräusch ist echt laut.

ich hoffe auf einen kaffee in ruawai. die art, wie die ortschaft auf der karte markiert ist, sagt nichts darüber aus, was einen erwartet. bei ortschaften in grossbuchstaben schon, da gibts läden, bank, cafes. aber die normale schriftgrösse kann alles heissen. von läden, bank, cafes bis zu nicht einmal angeschrieben auf der strasse. bin schon ein paar mal hereingefallen, jetzt frage ich meist.
in ruawai gibts jedoch einiges. trinke cappuchino und esse ein brownie – es wird mit schlagsahne serviert. mmmmmh…

die strasse bleibt noch einige kilometer eben und wird dann hügelig. zudem brennt die sonne herunter. das ist etwas gewöhnungsbedürftig, waren doch die letzten tage bedeckt und regnerisch. ich verlasse den highway und folge dem schild zum kauri museum. bill, unser führer im nächtlichen wald, hat mir das empfohlen. er gehe zwar nicht mehr hin, die ganzen toten kauri machten ihn traurig, sagte er.

unterwegs

unterwegs

das museum ist gross und kostet entsprechend eintritt. aber ich habe zeit, paparoa ist nur sechs kilometer entfernt. der letzte camping, dann gibts keine mehr bis auckland.
die weltgrösste bernsteinsammlung vermag mich nicht zu fesseln. viele stücke sind nicht oder halb bearbeitet, einige geschnitzt. darunter fast lebensgrosse büsten von maori und bibeln. was man damit machte, weiss ich nicht. bernstein an einer kette gefällt mir, aber der rest nicht so. aber das zeug ist teuer!

bernstein-sammlung im kauri museum

bernstein-sammlung im kauri museum

zu den kauri: schwarzweiss-fotografien zeigen wackere mannen in grossen überhosen beim fällen von eindrücklichen kauribäumen. mit der zweipersonen-hobelzahnsäge zuerst, dann mit seilwinden und habeggern bewegen, in grosse stücke sägen und mit ochsengespannen zum fluss ziehen. dabei ging manches schief und man sieht männer mit verlorenem gesichtsausdruck zwischen den riesigen stammstücken sitzen, die ochsen liegen am haufen, im schlamm ausgerutscht. im fluss wurden dämme gebaut und das wasser gestaut. die stämme gesammelt und anschliessend wohl die dämme geöffnet. die stämme trieben einzeln in richtung (zum beispiel) hokianga harbour. dort wurden sie zu flössen gebunden und so weitertransportiert.

kauri faellen

kauri faellen

zweipersonenmotorsaege

zweipersonenmotorsaege

mit einem grossen ochsengespannt werden die baeume transportiert

mit einem grossen ochsengespannt werden die baeume transportiert

eine sägerei ist aufgebaut und man kann alle arbeitsschritte verfolgen. teilweise haben sie den stamm aufgebockt und mit einer zweipersonen-motorsäge bearbeitet – eine person steht auf dem stamm, die andere zwischen den böcken, sägemehl auf den schultern. den schaufensterpuppen läuft der schweiss. sowieso, diese puppen: bei jeder steht, welchem siedler oder welcher siedlerin sie nachempfunden sind. mit namen und namen der eltern. einige kiwis können also heute dort ihre vorfahren anschauen. es gibt auch eine sammlung alter motorsägen…

schoen

schoen

dann die gum-diggerei, das graben nach dem bernstein. die kauri wurden auch angezapft, aber mehr wurde wohl noch gegraben. wieder schwarzweissbilder von männern in hohen stiefeln, mit speeren, schaufeln und eimern. mit den speeren wurde in den mooren nach bernstein gesucht, anschliessend gegraben. mit pumpen mussten die löcher von wasser freigehalten werden. manchmal wurde auch erde gewaschen, wohl um kleinere stücke zu finden. diese bernsteinstücke sind teilweise einige tausend jahre alt. entweder mit gefallenen böden im sumpf verschwunden oder vom baum gefallen und mit der zeit von organischem material bedeckt. die maori sammelten bernstein schon länger und verwendeten es als fackel, zum feuermachen, pigment für tätowierungen oder als kaugummi, mit pflanzensäften versetzt. die europäer gruben dann in grossem stil danach und schifften es aus: linoleum, farben, verwendung in der herstellung von zahnprothesen, siegelwachs, kerzen, kleber, herstellung von lacken.
in einem animationsfilm wird für kinder erklärt, wie der kauri wächst. interessant ist dabei, dass die abgeworfenen äste und die rinde mit der zeit einen hügel um den baum herum bilden. daraus zieht der kauri einen teil seiner nährstoffe. diese verrottenden äste und rinde haben sind aber auch der grund dafür, dass keine anderen bäume, auch keine nicht verschwisterten kauri, rundherum wachsen.
ausserdem sind kauri mykorrhizafähig. sie gehen mit diesen bodenpilzen eine symbiose ein und haben dadurch zu mehr nährstiffen zugang. die mykorrhiza bilden ein weit verästeltes netz im boden.

weiblicher (rund) und maennlicher zapfen des kauri

weiblicher (rund) und maennlicher zapfen des kauri

als ich im souvenirshop herumstolpere, will mir nichts so recht gefallen. oder zwar gefallen, aber ich habe keine verwendung dafür. wieder draussen scheint mir, es sei noch heisser geworden. ich bringe die hügelige strecke nach paparoa hinter mich und stosse gleich am dorfeingang auf den camping. zelt aufstellen und erstmal im schatten lesen.

später frage ich nach einer waschmaschine. etwas irritiert beäugt er meinen kleinen sack mit schmutzwäsche. ob das alles sei. ich: ja, ich hab gar nicht mehr kleidung. also, noch was ich trage. er brummelt etwas und lässt mich dann eine kleine waschmaschine nutzen. momentan hätten sie wenig wasser.

beim kochen plaudere ich mit einem engländer, der seit drei jahren hier arbeitet. er plant und baut häuser „off the grid“, also mit eigener wasser- und stromversorgung, abwasserentsorgung usw. es ist interessant, aber er sagt auch komische dinge. zum beispiel regt er sich über die ortschaften hier auf, er kann sich die namen nicht merken. ich denke, darüber kann sich auch nur wer aufregen, der nur eine sprache spricht. ich verwechsle ab und zu auch etwas, so what. ausserdem sagt er, die maori-bevölkerung habe sich zahlenmässig sehr gut erholt, im unterschied zu den indigenen anderswo. man hätte eben damals, als die zahl so klein gewesen sei, gleich damit aufräumen sollen, dann hätte man jetzt auch normale ortschaften. was soll der scheiss?! er hats wohl lustig gemeint, aber es ist inakzeptabel. umso mehr von einem engländer.

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